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Der junge Jude · 1927-11-01 · Heft 1 (November 1927) · p. Seite 17

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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Seilschaft die Opposition des Kindes gegen das Kulturideal des Bürgertums unterdrücken, im Gegenteil, es soll ihm opponieren. Alle Erziehungsinstitutionen werden von der herrschenden Klasse geleitet. Wir können jetzt ein Vordringen der staatlichen Erziehung beobachten, um der herrschenden Klasse innerhalb der Erziehung die Macht zu erhalten. In der primitiven Gesellschaft wird die unterdrückte Klasse überhaupt nicht erzogen; der Initiationsritus wird an der Sklavenklasse nicht vollzogen- Vom Standpunkt der bürgerlichen Klasse brauchen Erziehung nur die Söhne der herrschenden Klasse. Leider — vom Standpunkt des Bürgertums aus — braucht wegen der komplizierten Wirtschaft und deren Anforderungen auch der Arbeiter, auch das Proletariat eine Erziehung, Vom Standunkt des Bürgertums kommt es nun darauf an, daß das Wissen, das ein Machtmittel sein kann, in ein Unterordnungsmittel umgewandelt wird. Das Erziehungsideal des Bürgertums für das Proletariat ist daher: Wissen und trotzdem brav sein; alle sogenannten moralischen Gebote sind Unterordnungsmittel. Der Inhalt des Lehrplanes für das Proletarierkind ist absolut willkürlich, die Schule ist Machtinstitution, es kommt nicht auf das Lernen, sondern auf das Stillsitzen an, darüber hinaus soll der „Mißbrauch" des Gelernten verhindert werden. Die Jugendbewegung will die Jugend von diesen Einrichtungen emanzipieren. Die Jugendbewegung ist revolutionär, es scheint also ein Widerspruch darin zu liegen, wenn die Gesellschaft die Jugendbewegung anerkennt. Aber die Jugendbewegung ist in erster Linie für die herrschende Klasse da. Die Jugend der herrschenden Klasse braucht Selbstbewußtsein und Unabhängigkeit. Diese Eigenschaften werden vermittelt durch Landerziehungsheime und auch durch die Jugendbewegung; dies ist nicht dem Programm nach, sondern nur de facto so in England, in den Colleges soll dieses Ziel ausgesprochenermaßen erreicht werden. Im „Jungdeutschen Orden" und im Landerziehungsheim soll nicht Stillsitzen, sondern Adelsstolz erlernt werden, mit dem einzigen Unterschiede, daß im Jungdeutschen Orden der feudalmilitaristische, im Landerziehungsheim der demokratisch kapitalistische Führer erzogen werden soll. Auch im Jungdeutschen Orden ist Disziplin erforderlich, aber die autonome Disziplin des künftigen Generalobersten, im Landerziehungsheim ist das Erziehungsziel der ausgeglichen harmonische demokratische, im Unterhandeln geschickte Gentleman, In den Unterschieden des Erziehungszieles drückt sich der Kampf, der innerhalb des Bürgertums in der kapitalistischen Gesellschaft zwischen dem Agrarkapital und dem Handels- und Finanzkapital tobt, aus. Das Proletariat ist aber auch nicht mehr ganz machtlos. Für das Proletariat ist aber eine Jugendbewegung bedeutungslos, ja schädlich, die die Formen der bürgerlichen Jugendbewegung übernimmt und ihr Erziehungsziel in den nebensächlichen Zielen der kleinbürgerlichen freideutschen Jugendbewegung erfüllt sieht. Die Gesellschaft bekämpft nur diejenigen Zielsetzungen, die ganz konkret sind, allgemeine Zielsetzungen sind der Gesellschaft ungefährlich und von ihr daher geduldet. Die Führer dieser Teile der Jugendbewegung sind eben stillschweigend angestellte Staatsbeamte. Sowie die Ziel- 17

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