Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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drungen sind und den Willen in sich tragen, sich mit dem Lande zu verbinden, wie sie noch keine Generation des Judentums besaß, In dieser Zeit kultureller Vermümmerung, sah ich Tausende von hebräisch sprechenden Kindern in der Diaspora. Das ist ein Kampf historischer Mächte, die ihren Ausdruck suchen. Wie schwer ist es, jetzt in dieser Lage, in der Not jedes Einzelnen, mit den geringen Aussichten, seelisch standzuhalten. In der ganzen bundistischen und übrigen antizionistischen Presse spottet man unserer Niederlage. Allein wir sind solcher Grabreden noch vom ersten Kongreß her gewohnt. Was uns aber notwendig ist das ist, die Bewegung nicht nur in ihren Zweigen, sondern in ihren Wurzeln zu sehen, nicht nur an ihren äußeren Erscheinungen, sondern in ihren Quellen. Und wenn wir in der jüdischen Welt und im zionistischen Lager einen Abfall sehen, so habe ich die volle Ueberzeugung, daß die Quellen, aus denen wir schöpften und die uns so weit gebracht haben, nicht versiegt sind. Und wenn wir auf diesem Kongreß eine Niederlage erlitten haben, so ist es unsere Pflicht, die Dinge richtig zu sehen. Nicht der Fehltritt eines Mannes war es, der hinfiel und sich den Kopf zerschlagen hat, sondern der Fehltritt eines Kindes, das zu gehen anfängt und dabei hinfällt. Soll es nur weitergehen! Was vor uns steht, ist die Eroberung der zionistischen Bewegung. Es gibt keinen anderen Ausweg für den Zionismus als durch die Arbeiterbewegung erobert zu werden. Und es gibt keinen anderen Weg für den Arbeiter, als die zionistische Bewegung hundertprozentig zu erobern und ihr seinen Geist aufzuprägen in Wirtschaft und Kultur. Wenn wir eine Niederlage erlitten haben, so nicht deswegen, weil wir eine Wirtschaft nicht aufzubauen verstanden haben, sondern weil wir zu jung waren, weil wir uns mit der inneren Organisation, mit dem Leben unserer Fraktion, unserer kleinen Gruppe begnügten. Und als wir uns zur Klasse entwickelten, hatten wir nicht den Mut zu sagen: wir sind nicht nur eine Klasse, sondern das ganze Haus Israel. Ich glaube, daß, sobald der Arbeiter erstarken wird, er die Massen erobern und zeigen wird, wieweit er den anderen nicht nur durch seine Hingabe, durch zionistischen Schwung, durch die Fähigkeit, die Zukunft richtig zu sehen, sondern auch durch seinen praktischen Fleiß überlegen ist. Es bedarf einer jungen Generation, die auf den Schauplatz tritt und den Zionismus erobert. Dem bestehenden Zionismus mangelt es an jeder Fähigkeit, eine junge Generation zu erziehen. Nur Menschen, die von sozialistischen Ideen und sozialistischer Ethik durchdrungen sind, sind für diese Aufgabe geeignet. Gerade jetzt, da wir von der Pseudokoalition befreit sind, können wir uns der Erziehungsarbeit widmen. Wir werden als Opposition im Kampfe stehen, die ihr Recht in Verhandlungen mit der herrschenden Richtung sucht, aber auch zu einem organisierten Kampfe gerüstet sein wird. Für die Bewegung, die ihre Fahne nicht eingezogen hat, die als einzige im Zionismus den Weg zur Erweiterung sieht, — für sie ist es heute Zeit, ihre Kräfte zu sammeln und zu weiteren Errungenschaften im Zionismus im Lande, wie in der Diaspora vorwärtszuschreiten, (Uebersetzt aus dem „Dawar".) 14