Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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als phantastisch und sogar gute und radikale Zionisten erhoben damals gegen uns den Einwand des Mangels an praktischer Erfahrung. Aber die sieben Jahre, die seitdem vergangen sind, bewiesen zur Genüge, wo der richtige historische Blick war. In diesen zwei großen Zusammenstößen: London 1920 und Basel 1927 kämpfte die Arbeiterbewegung um ihr Sein. In beiden Ereignissen zeigte die Bewegung, wie groß ihre sittliche Kraft ist, wenn sie sich auch zahlenmäßig in der Minderheit befindet. Für eine richtige Beurteilung der gegenwärtigen Lage im Zionismus und der Geschehnisse auf dem Kongreß darf nicht nur das bereits Sichtbare betrachtet werden. Kann doch in einem Abschnitt unserer großen Front eine Niederlage erfolgen, während aus einem anderen Teil das Heil erwächst. So war es auf der Londoner Konferenz. Scheinbar siegte der Brandeisismus, zugleich aber wurde eine kleine Resolution gefaßt über den Keren Hajessod. Die Sache erschien zu jener Zeit gering, aber zugleich mit der Erstarkung des Keren Kajemeth, brachte sie uns die Eroberung des Emek. Auch jetzt, bei unserer Kritik der zionistischen Situation, sehen wir nicht nur die Wahl der Exekutive und die Reduzierung des Budgets, sondern auch die positiven Taten. Deren gibt es zwei: das Programm zur Behebung der Arbeitslosigkeit, um das wir eineinhalb Jahre kämpften und dem alle Finanzspezialisten sich widersetzten und — wichtiger noch als dies — das Kanadawerk des Keren Kajemeth. In der Sitzung des Direktoriums des K.K.L. vor dem Kongreß ist der Plan gefaßt worden, 50 000 Dunam für die Schaffung eines neuen „Emek", für intensive Kolonisation zu erwerben. Durch diesen Bodenerwerb in einer Gegend, die für intensive Kolonisation geeignet ist, kann in der nächsten Zeit ein großes kolonisatorisches Werk entstehen. Es kann uns auch als Beispiel dienen für zionistische Tätigkeit und für Möglichkeiten, die eine Aufrüttelung des Zionismus schaffen könnten. Noch einen Eindruck nahm ich vom Kongreß mit, ich weiß aber nicht, ob es mir gelingen wird, auf Euch meinen Glauben zu übertragen. Ich sah die zionistische Organisation in ihrem Wanken, ich sah sie auch in ihrem Niedergang; aber so sah ich nur die bestehende zionistische Organisation, nicht die zionistische Bewegung und nicht das zionistische Streben. In der jetzigen Generation begann eine innere Krise. Mit Ausnahme jener Teile, die die innere Kraft finden werden, sich der Arbeiterschaft anzuschließen, ist diese Generation vielleicht verloren. Aber die zionistische Bewegung hört nicht mit dieser Generation und mit diesen Menschen auf. Ueberall sah ich ein junges Geschlecht, das jüngste, das dem Zionismus erstand: den Hechaluz und die Jugendbewegung. Wie zu allen Zeiten in der jüdischen Geschichte, befinden wir uns auch jetzt in einem Zustand des Kampfes tiefer historischer Kräfte. Noch nie bestand eine so große Assimilation, eine freiwillige oder erzwungene, wie in diesen Tagen. Niemals war die Kraft der fremden Kulturen so stark, stiegen in diesem Maße die Sucht nach Karriere und materiellen Genüssen, noch nie bestand eine solche Gefahr des Unterganges und der Vernichtung, wie in unserer Zeit. Aber unsere Zeit besitzt aktive Kräfte, die von Sehnsucht und Begeisterung für Erez Israel durch- 13