Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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und vor den Drohungen der Geldinkassenten nicht zurückschreckt. Es gab entweder eine Opposition um ihrer selbst willen, eine politische Opposition, die im Positiven nichts mit uns gemein hatte oder den Misrachi, der klerikale Rechte gewinnen und Religiosität durch Dekrete ein^- führen wollte, oder die Opposition der Ismuszik und Supraski. Mit all diesen konnten wir keine andere Leitung errichten. Als wir uns in dieser tragischen Lage befanden, die nicht wir heraufbeschworen haben, sagten wir uns: besser diesen Versuch geschehen lassen, als daß Anarchie und Zersplitterung Platz greift. Chawer Locker erklärte in unserem Namen: wir wollten Euch nicht, aber die' zionistische Situation hat es dazu gebracht. Euer Tun wird Euch uns nähern oder entfernen. Vielleicht haben wir geirrt, vielleicht überzeugen wir uns, daß es ohne Leitung besser wäre als mit einer solchen. Aber im entscheidenden Moment, im Bewußtsein unserer großen Verantwortung, als wir keinen anderen ernst zu nehmenden Kreis sahen, auf den wir uns mitstützen konnten, wollten wir die Bewegung nicht dem Spiel einer Arbeiterregierung, die am folgenden Tag zusammenbrechen würde, aussetzen. Betrachten wir den Kongreß auch außerhalb der Frage der Leitung und des Budgets, so können wir mehrere positive und wichtige Tatsachen feststellen. Der Kongreß war auf Grund von Wahlen zustande gekommen. Es gab eine starke Arbeiterfraktion, viele Persönlichkeiten, die die Probleme beherrschten. In dieser Hinsicht übertraf er alle, früheren zionistischen Konferenzen und seine Resultate könnten ganz andere sein. Die Resolutionen der politischen und Kolonisationskommission beweisen dies. Die politischen Resolutionen gehen ganz und gar nicht nach dem offiziellen Kurs. Man kann natürlich behaupten, daß, wenn kein Budget vorhanden ist, all dies keinen großen Wert habe, aber diese Beschlüsse haben einen moralischen und erzieherischen Wert. Die Beschlüsse hinsichtlich der Kolonisation sind alle in unserem Geiste gefaßt. Die Anerkennung der Histadruth, die Anerkennung der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation, sind keine geringen Erfolge. Und wenn wir unsere Wirkung auf die Tätigkeit des Kongresses beurteilen wollen, können wir ohne Uebertreibung behaupten, daß die Vertretung der Arbeiterschaft auf dem Kongreß stark und einflußreich war. Auch ihre Gegner mußten das anerkennen. Ihre innere Geschlossenheit und die Kraft, mit der sie Angriffe der Gegner zurückweisen kann, zeigte die Arbeiterfraktion in der Angelegenheit von „Nir". Das Pamphlet von de Lieme gegen „Nir", dessen Haß und Verachtung gegen die Arbeiterbewegung mit vollkommener Sachunkenntnis gepaart ist, tat das seinige. Die Delegierten wußten, daß sie die zionistische Bewegung vor der Gefahr des ,,Nir" zu retten haben. Die namentliche Abstimmung über die kleine Frage, ob diese Angelegenheit im Kongreß abgestimmt werden soll oder ob sie zu weiteren Verhandlungen übergeben werden solle, galt im Grunde: für und gegen die Selbständigkeit der Arbeiterbewegung. Sie erinnerte an die namentliche Abstimmung auf der Londoner Konferenz in der Bodenfrage. Auch damals wurden wir besiegt. Unsere Forderung, Privatbesitz an Boden in der zionistischen Kolonisation zu verhindern, erschien 12