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Der junge Jude · 1927-11-01 · Heft 1 (November 1927) · p. Seite 11

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Kreise, die die Verhandlungen führte. Wir hörten nicht, was ihr Kolonisationsprogramm, was ihr Finanzsystem wäre, welche finanziellen Aktionen sie durchführen wollten und in welcher Weise sie unsere schweren Probleme zu lösen gedenken. Sie äußerten keinerlei Pläne und Gedanken, weder nationale noch soziale, weder arbeiter- oder bourgeoisfreundliche, wir hörten von ihnen z. B. nicht Vorschläge der Art, wie sie Neiditsch und Jacobsohn in der Frage der Anleihe brachten, oder Ruppin in der Frage der Kolonisation. Und ihr Programm. In der Permanenzkommission habe ich dieses System mit dem Ausdruck receivership bezeichnet — Konkursverwaltung. In der Zeit vor dem Kongreß kleidete man es in die schönen Worte: Sachverständnis, Konsolidierung. Die Amerikaner haben ja Kaplanski verworfen, weil er Gymnasiallehrer war. Aber jetzt, da den Platz von Ruppin, Ettinger und Kaplanski ein solch hervorragender Kolonisationsspezialist wie Herr Bawly eingenommen hat, ist der Begriff ,,Sachverständnis" verblaßt. Was bedeutet denn Konsolidierung? Bedeutet sie, daß wir an die Meschakim bloß Forderungen zu stellen haben, oder daß wir ihen vorerst Bedingungen für ihre Entwicklung sichern? Jetzt, da wir das neue Budget kennen mit 260 000 Pfd. Sterl., für die gesamte Kolonisation darunter nur 8000 Pfd. Sterl. für neue Kolonisation — was die Verwendung des Budgets nur für den Konsum mit sich bringen wird — verstehen wir, was diese Konsolidierung heißen will. Zwei Voraussetzungen des berühmten Programms von Weltsch sind also verwirklicht: 1. Die Errichtung einer flügellosen Exekutive, 2. (worüber man nicht viel sprach, aber was man um so eifriger tat) die Lösimg der Arbeitslosenfrage durch Emigration. Es ist dies keine Frage einer parlamentarischen Opposition. Die Lage ist viel ernster. Wir sind ein Heer, das die Front hält mit ungenügender Verpflegung und ungenügenden Waffen. Und als die Krise erstarkte, als die Bedingungen schlechter wurden, die Kasse sich lehrte, die Stimmung sank, als es galt, das Heer zu ermutigen, damit es standhalte und die Stunde der Erlösung nicht auf Generationen verschoben werde und uns zwei Dinge nötig waren: Verpflegung und Waffen, da kam man und sagte uns: weniger Verpflegung, keine Munition und an Stelle Eurer eigenen Offiziere . . . Es entsteht die Frage, warum haben wir dieser Situation nachgegeben. Die Antwort ist kurz und im salomonischen Urteil enthalten. Im letzten Moment, als die fremde Frau schrie: „teilet das Kind", sprach die Mutter: „gebt ihr das Kind, nur daß es am Leben bleibe". In der vergifteten Atmosphäre, in der Mutlosigkeit herrschte, als die Koalition als unnützes Zeug verworfen wurde, als Dutzende von Delegierten wegfuhren, als die Führer drohten, den Kongreß ohne Exekutive enden zu lassen, gaben wir nach. War doch die Lage die, daß wir jede Exekutivbildung verhindern, aber aus den eigenen Reihen keine Exekutive aufstellen konnten. Im ganzen bürgerlichen Flügel des Kongresses fanden wir keinen zuverlässigen Teil, der den Wert der Arbeiterschaft anerkennt 11

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