Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ohne Euch gibt es keine Leitung. Man könnte eine „flügellose" Leitung aufstellen, wenn die geeigneten Menschen vorhanden wären, Autoritäten ihm wahren Sinne, aber diese gibt es nicht. — Diese Stimmung herrschte in den ersten Tagen des Kongresses, als plötzlich der Vorschlag eines Triumvirats wieder auftauchte, ohne von der Mehrheit akzeptiert zu werden. Er wurde völlig negiert. Ich meine damit nicht eine Ablehnung einzelner Personen, sondern die Ablehnung ihres Programms, der Bedingungen ihres Eintritts und der Art ihrer Wahl. Es war klar, daß der Präsident selbst zweifelte. Er erklärte: ,,Dies ist zwar nicht meine Exekutive, wie ich sie gern haben möchte, es liegt jedoch eine besondere Situation vor und ich habe keine anderen Vorschläge." — Der Präsident, als Opfer der Situation, so dem Druck nachgebend — wahrlich kein erhebendes Bild. Und mit diesem Nachgeben verstärkte er noch den Druck Die zionistische Bewegung verleiht ihrem Präsidenten eine Macht, wie sie in keinem parlamentarischen System existiert. Was im Zionismus den Wert einer Führerpersönlichkeit bestimmt, läßt sich auf ihre Arbeit zurückführen: „vor Königen werden sie stehen" und nicht nur vor Königen, sondern auch vor „Gwirim"! Eine der tragischsten Begleiterscheinungen unserer Bewegung. Die Geldgeber. Wenn Ihr glaubt, daß diejenigen, die in ihrem Namen auftraten, nun wirklich die Geldgeber sind, dann irrt Ihr Euch! Sie sind nur die Inkassenten, die zwischen den Fonds und den Spendern vermitteln, halten sich jedoch für verpflichtet, Lehren zu geben. „Wenn Ihr fortfahrt so zu handeln, wird der Spender sein Geld nicht geben!" Der Geldgeber hat sozusagen bei ihnen seinen Willen deponiert und alles, was sie verlangen, ist keineswegs ihr eigener Wille, sondern der des Geldgebers. Es gab eine Zeit, in der namens der Geldgeber ein Emanuel Neuman sprach. Jetzt, da er zur Opposition übergegangen ist, muß ein anderer die Wünsche des Spenders kennen und überall gibt es einen solchen Kreis, der seine Arbeit im Zionismus ausnützt, um sich als Schicksalslenker zu betrachten. In dieser Zeit ökonomischer Krisis, geistiger Panik, summierten sich all diese Faktoren. Das Resultat ist nicht allein die Wahl dieser Exekutive, sondern auch eine weitgehende Veränderung der zionistischen Machtbefugnisse. Bis jetzt war der Präsident der zionistischen Organisation in bezug auf seine Autorität mehr dem Präsidenten der Vereinigten Staaten als dem Frankreichs zu vergleichen: ein gewählter Präsident und eine ihm angepaßte Exekutive. Aber diese Exekutive stellte dem Präsidenten als Bedingung: ihre Unabhängigkeit. Rechte, die Usischkin und Ruppin nicht erhielten, erhielt Sacher. Von konstitutionellem Standpunkt liegt darin eine große Veränderung. Der Präsident verzichtete auf viele seiner Rechte und auf die Rechte seiner Mitarbeiter im Auslande. Er behielt nur das diplomatische Portefeuille und übergab die ganze praktische zionistische Arbeit der neuen Leitung. Fragen wir uns, auf Grund welchen klaren Programms die neue Exekutive gewählt wurde, so müssen wir gestehen, daß keiner ein Programm gehört hat, weder der Kongreß, noch der Permanenzausschuß, noch die 10