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Der junge Jude · 1927-11-01 · Heft 1 (November 1927) · p. Seite 7

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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der palästinensischen Arbeiterschaft, müssen die Gegensätze in ihr notgedrungen größer werden. Wenn wir versuchen herauszufinden, um welche Begriffe der Kongreß kämpfte, so ist deutlich zu erkennen, daß es sich hier nicht um eine Verteidigung des Schaffens handelte, sondern daß hier nur ein Ausdruck dem Mangel an Kraft und Glauben gegeben wurde. Vor allen Dingen war hier eine sehr interessante psychologische Erscheinung, die sich auf wichtige Teile des Zionismus, und sogar auf den fortschrittlichen erstreckte. Man kann sie Furcht vor dem Idealismus nennen. Hierin liegt eine besondere Ironie. Die „allgemeinen" Zionisten sind ja scheinbar in allen ihren Diskussionen usw. die Fahnenträger der idealistischen Philosophie; sobald es aber zur Verwirklichung des Zionismus kommt, offenbaren sie eine mächtige materialistische Nüchternheit ,,Ihr seid zwar ausgezeichnete Kerle, aber Ihr seid ja Idealisten, und kann man denn ein ernstes wirtschaftliches Werk in die Hände von Träumern ausliefern?". Aber gerade das Vermögen des Zionismus zu träumen, war die Kraft, durch die sämtliche Werke gegründet wurden. Sogar der Kolonisationsfonds wurde durch unsere Träumer gegründet und gedeiht bekanntlich so vortrefflich unter der Leitung der Praktiker. Jetzt kommt die Furcht vor dem Eroberungswillen, die Furcht, die wir aus den Worten des Präsidenten der zionistischen Organisation heraushörten, als er uns belehrte, daß das Stehen an einem Orte manchmal erobern hilft. Stimmt! Aber er hat nicht bewiesen, daß ein kraftloses Stehen zu neuen Eroberungen führt. Diese Furcht vor dem Idealismus, das Gefühl, das Werk Menschen übergeben zu müssen, die von der Krankheit der zionistischen Eroberung nicht ergriffen sind, erfaßte auch diejenigen, die als Träger des Geistes der Bewegung erscheinen. Als ob sie an sich selbst, an ihren Kräften verzweifelten, weil auch in ihnen noch ein idealistischer Funke steckt. Die Parole lautet: „Menschen, die frei sind von Illusionen". Betrachten wir den Kongreß in seinen wechselnden Stimmungen, verschiedenen geistigen Phasen, so hebt sich deutlich ein Ziel ab: Brandeisismus ohne Brandeis, dieselbe Musik, aber andere Musikanten. Das Schicksal wollte, daß die Fahne des Brandeisismus von denjenigen erhoben wurde, die ihre Verdienste im Kampfe gegen ihn erwarben. Dieser Kampf gegen Brandeis (ohne, daß ich damit dessen persönliche Ehre antasten möchte) war es, der uns den Emek gab, die Alijah und all die wichtigen Aufbauarbeiten, um derentwillen noch heutzutage eine bedeutende zionistische Bewegung besteht. Warum mußte Weizmann, zu dessen Verdienst die Schaffung des Keren Hajessod und der Kampf gegen den Brandeisismus gehört, einen solchen Zustand heraufbeschwören? Aus dieser Schwäche, die keinen positiven Weg für unsere Arbeit anzugeben weiß, resultiert natürlich die Zuflucht zur „großen Konception" des „starken Mannes". Es fragt sich, ob in den Ländern, wo diese Art der Führung praktisch durchgeführt wird, dies ein Zeichen für die Stärke einer Bewegung ist. Um so aussichtsloser ist die Sache bei uns, in einer Bewegung, die sich gänzlich auf Hingabe und guten Willen aufbaut. Man müßte verstehen, daß gerade die Schwierigkeit, die Menschen auf dem Kampfplatz festzuhalten, der Zwang, von ihnen zu verlangen, daß sie die 7

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