Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1927-11-01 · Heft 1 (November 1927) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3497353-3497354-3497355--012-3525845
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Front halten, eine ganz andere Beziehung zu dieser Gemeinschaft notwendig macht. Aus Mangel an Mut, in die zionistische Welt die Anerkennung der Macht und der Bedeutung unseres Werkes zu tragen und damit die Verleumder zurückzuschlagen, entstand die ängstliche Ideologie, welche von den „alten*' Wegen abrückt und — in einem Krisenjahr! —► auf die „Koalition" und auf die Zusammenfassung der Kräfte, die die Arbeitslast tragen, verzichtet. Die Faktoren, die zur Wahl der neuen Exekutive führten, sind meiner Meinung nach die folgenden: 1, In vielen Kreisen betrachtete man alle unsere Probleme: Alijahf Arbeit, Siedlung — von der Kasse her. Ja, der Zustand der Kasse ist niederdrückend und beunruhigend. Aber wem eine ganze Bewegung soweit gekommen ist, daß alle ihre Probleme unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, ob die Bilanz der Zentralkasse in Ordnung ist, wenn der Begriff der Konsolidierung und der Sanierung sich nicht auf das Kolonisationswerk erstreckt, sondern auf die Kasse selbst, dann ist dies ein Zeichen nicht nur für ein Unverständnis der Lage der Bewegung, sondern auch für den Mangel jedes Verständnisses für die Lage der Wirtschaft. Ich weiß, solche Reden werden uns wieder den Namen „Batlanim" eintragen, und trotzdem behaupte ich, daß ein schlechter Kassenstand zugleich mit einem guten Stande der Bewegung und der Kolonisation möglich ist und andererseits auch, daß man „vollkommene Ordnung" in die Kasse bringt und gleichzeitig das ganze Vermögen an Material und Menschen aufgibt und verliert. Anders würde man sich verhalten, hätte man bei uns Verständnis dafür, daß es nicht nur einen Kassenverlust gibt, sondern auch einen Verlust in der Bewegung, der letzten Endes der zionistischen Kasse auch sehr teuer zu stehen kommen kann. 2. Ich weiß nicht, was im Herzen von Weizmann vorging, als er den Kampf gegen Herzl begann, ob er leichtsinnig oder schweren Herzens die Opposition gegen den Schöpfer der zionistischen Organisation führte. Ich gestehe, daß ich nicht mit Freudenjubel an die Kritik des Präsidenten der zionistischen Organisation herangehe. In der zionistischen Bewegung gleicht der Vorsitzende nicht irgendeinem Ministerpräsidenten einer Regierung. Die zionistische Bewegung ist nicht allein eine wirtschaftliche und Verwaltungsorganisation, sondern auch eine Bewegung, die eines Führers, einer großen Persönlichkeit, bedarf. Wer die Krone der Präsidentschaft trägt, gehört der ganzen Bewegung. „Wenn ein Fürst sündigt", dann leidet darunter die Gesamtheit einschließlich der Opposition. Für die ganze Bewegung ist es wichtig, das Vertrauen zu dem von ihr erwählten Menschen, der morgen in ihrem Namen auftreten wird, nicht zu verlieren. Die Rolle Weizmanns auf dem XV. Kongreß ist nicht dazu angetan, das Vertrauen zu dem Präsidenten zu stärken. In seiner politischen Rede auf dem Kongreß erklärte Weizmann seine politische Aufgabe mit dem Worte: „Interpret", d. h. er erklärt nach außen den Willen der Bewegung und nach innen die Lage der Dinge zwischen den Außenmächten. Diese bescheidene Definition enthält an und für sich keine Verkleinerung des Charakters der Aufgabe. Im Gegenteil, wenn 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.