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Der junge Jude · 1927-11-01 · Heft 1 (November 1927) · p. Seite 6

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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die Alijah der Bilu, Kattowitz, der Odessaer Waad. Und auch diese Bewegung, die in ihren Anfängen, den Tagen Pinskers und der Bilu, von weit höherem Schwünge als man weiß, beseelt war, auch diese Bewegung alterte schnell, sie ward zu einer Festung des jüdischen Klerikalismus, zu einer schwunglosen Sache. Es begann ein Suchen nach einem neuen Gewände, das der Zeit angepaßt sei — und da kam Herzl mit der Botschaft des politischen Zionismus. Und wenn wir jetzt bei der herrschenden zionistischen Generation die Unfähigkeit bemerken, mutig die Wahrheit zu suchen, und dafür Verwirrung, Schwäche, Defaitismus und die Unfähigkeit erkennen, der zionistischen Krise durch ein Werk des Aufbaues zu begegnen und wahrnehmen, wie man sich Reiseeindrücken- und Auffassungen unterwirft, vor jeder Verleumdung, die aus irgendeinem Büro, auch aus offiziellen zionistischen Büros im Lande stammt, kapituliert — wenn wir dies alles sehen, so ist es ein Zeichen dafür, daß auch den Zionismus die Krankheit eines gewissen Alters ergriffen hat; und daß wenn er ihrer nicht Herr wird, ein neues historisches Instrument statt seiner gefunden werden muß. Dieser Kongreß, der der erste war, der auf Grund von Wahlen zustande gekommen ist und in dem sich die Macht der Arbeiter zahlenmäßig und geistig sehr stark äußerte, gerade er zeigte Schwäche, Verwirrung und das Schauspiel, wie sich die große Mehrheit einem unerklärlichen Druck unterwarf. Das deutsche Judentum, das uns seinerzeit einen Herzl gegeben hat und das in der Epoche des praktischen Zionismus und des nationalen Erwachens im Westen uns zu großen Hoffnungen berechtigte, dies deutsche Judentum liegt nun gebrochen danieder und übt Verrat an dem Menschen, der aus ihrer Mitte in das Land kam, an Ruppin. Es übt Verrat an der Arbeiterbewegung und holt die Taten der Brandeisisten nach (die ebenfalls in Pittsburg vielen radikalen Prinzipien Treue geschworen haben, um sie nachher zu verraten). Der deutsche Zionismus zieht sich jetzt zurück von allen Positionen, um derentwillen er bis jetzt einen so angesehenen Platz eingenommen hatte, unterliegt einer politischen Aengstlichkeit und einer Genügsamkeit, die auf der ganzen zionistischen Front sich mit wenigem begnügt. Wenn ich all dies betrachte, so kann ich nicht als Grund hierfür Klasseninteressen erkennen, die die Menschen zu dieser ihrer Stellung treiben, sondern einen tragischen Prozeß des Altwerdens der Bewegung. Wir sehen jetzt diejenigen, die einstmals die Kraft des Zionismus erneuert haben, im Zustande der Altersschwäche. Ob das Leben es mit uns wohl meinte oder nicht, weiß ich nicht, aber es spaltete das zionistische Lager in zwei Teile: die zionistische Jugend, das Heer, das den Zionismus verwirklicht, führte es ins Land; die Schar der Alten, die Träger der offiziellen Bewegung ließ es in der Diaspora zurück. Wenn die Erscheinung des Zionismus an und für sich vor 30 Jahren eine mächtige revolutionäre Kraft gegenüber dem mumifizierten Judentum war, so hört es jetzt immer mehr auf, diese Kraft zu sein. Eine Bewegung, die in ihrem Leben nicht revolutionär bleibt, die sich mit dem Galuth und der Assimilation abfindet, verliert ihren Charakter als Bewegung, Da jedoch diese Bewegung einen Teil hat, dem die Revolution Quintessenz des Lebens ist, nämlich 6

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