Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kampfes um die Macht ist. Wir wissen, daß die Schwierigkeit zum allergrößten Teile in uns selbst liegt. Wir haben einmal diese besondere Aufgabe, die uns in der Entwicklung des Zionismus zugefallen ist, noch gar nicht erkannt. Wir stehen als Gruppe überall in der Welt noch viel zu stark abseits von dem Zentrum zionistischen Geschehens außerhalb Palästinas. Wir werden daher von den anderen empfunden als ein nachwachsendes Geschlecht, das seinen Platz nicht dort sucht, wo ihn die frühere Generation gehabt hat. Und weiterhin müssen wir uns über die ungeheure Spannung klar werden, die zwischen einer palästinozentrischen und sozialistischen Bewegung und ihrer nichtzionistischen Umwelt besteht. Die erste zionistische Generation des Westens hatte noch die Aufgabe, ihr Judentum für sich selbst zu rekonstruieren, die zweite, das Judentum der anderen in seiner Fragwürdigkeit darzustellen, die dritte Generation steht völlig isoliert da, zugewandt einem neuen palästinensischen Judentum, ohne eine Beziehung zum Judentum der anderen. Dadurch, daß der einzelne von uns sein jüdisches Leben auf Palästina konzentriert, dadurch, daß er für sich ein jüdisches Leben von wirklichem Inhalt zu führen beginnt, verliert er den Zusammenhang mit denjenigen, deren Bindung an das Judentum nur locker ist. Die Unterschiede jüdischer Intensität werden so groß, daß sie unüberbrückbar werden. Der Flug zum jüdischen Zentrum geht so hoch, daß bei dem Aufschwung nicht mehr genügende Teile der umliegenden jüdischen Indifferenz mit hochgerissen werden. Wir müssen heute schon mit Besorgnis für den Westen feststellen, daß gerade wir mit Nichtzionisten keine gemeinsame Sprache mehr finden, sei es auch nur, um in diesem Grade noch unsere divergierenden Standpunkte zu formulieren. Chaluziuth für die Bewegung hat aber nur dann Sinn, wenn hinter der Vorhut die Armee des ganzen Volkes marschiert. Der Zionismus behält nur seine Bedeutung, wenn er die Sache des ganzen Volkes bleibt. Dieses Spannungsverhältnis zwischen uns und unserer jüdischen Umwelt fruchtbar zu machen, ist die ungeheuer schwere und notwendige Aufgabe, die wir nicht gesehen haben und ohne deren Lösung der Zionismus sich nur zum Teil erfüllt hat. Bisher wirkte als stärkster propagandistischer Faktor für Palästina auch Nichtzionisten gegenüber, das Leben und die Leistungen der paläst. Arbeiterschaft. Dieses Leben und diese Leistungen wurden aber von Menschen dargestellt, die nicht zur Arbeiterschaft gehörten. Es entsteht nun für uns die sehr bedeutsame Frage, ob die Arbeiterschaft selbst oder diejenigen, die sich hier mit ihr solidarisch erklären, durch die Darstellung ihres eigenen Lebens und Wirkens, Kräfte aus dem nichtzionistischen Judentum entbinden können. Es hat den Anschein, als ob die Vorbereitungszeit, die uns gegeben ist, bis wir zu voll verantwortlichen Trägern der zionistischen Bewegung werden müssen, nicht mehr lange dauern wird. Wenn wir mit Kritik unserer eigenen Bewegung und unserem eigenen Wesen gegenübertreten, werden wir feststellen müssen, daß wir für die Uebernahme dieser Aufgabe keineswegs vorbereitet sind. Wir sind unvorbereitet sowohl unserem Wollen als auch unserem Wissen nach. Wir haben nicht einfach fortzusetzen, in Lücken einzutreten sondern wir haben der Gesamtbewegung 3