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Palästina-Nachrichten · 1935-01-31 · Heft 1-2 (31.1.1935) · p. Seite 8

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 1-2 (31.1.1935)
Date
1935-01-31
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Aus der Praxis der Investitiqns- Treuhand Vort Harry Bein, Tel-Aviv.* Mit der in den letzten Jahren zunehmenden Erschließung Palästinas durch Privatkapital ergab sich das Bedürfnis nach Stellen, die dieses Kapital in seiner Anlage beraten und lenken, Wege der zweckmäßigsten und günstigsten Anlage aufzeigen und es durch gute Verwaltung vor Schäden und Verlusten bewahren. Das Privatkapital ging zunächst seine eigenen Wege, beraten und gelenkt von mehr oder weniger sachkundigen Agenten, die, durch Interesse verbunden^ mit den Besitzern von Investitionsobjekten, die Invetfbren in bestimmte Bahnen und Richtungen lenkten. Land unfl\P|ianzuncjsgestelischaften entstanden, die im Lande selbst und im. Ausländ ihre Kunden zu finden verstanden. Kapital von Einwanderern suchte und fand auf gut Glück seinen Weg i in die verschiedenen Zweige der Wirtschaft; Kapitalisten außerhalb Palästinas waren nur zögernd und in sehr begrenztem .Umfarvae'zu Investitionen in Palästina zu bewegen; auch fehlten die Maßstäbe zur Beurteilung und der Kapitalist war meist nur auf Auskünfte und Beratung von seifen der Interessenten selbst angewiesen, ■" * ■ In dem Maße, in dem jedoch einerseits sich die palästinensische Wirf schaff entwickelte und sich mehr und mehr günstige. Möglichkeiten für Investoren böten» in dem Maße, in dem andererseits die europäisch-amerikanische Wirtschaft infolge der Weltwirtschaftskrise an Anreiz für Investitionen verlor, stieg das Interesse des, jüdischen, 'vielfach soga£ des nicht jüdischen Kapitats an der Anlage in Palästina. ■: So wuchs das Bedürfnis nach einer Stelle die im Stande war durch eine .entsprechende Organisation einen Ueberblick über alle Wirtschaftsgebiete zu erlangen, um weiten Kreisen von Investoren bei der Anlage und Verwaltung ihrer Vermögen be-: hilflich zu sein, ohne selbst ein Eigeninferesse an den öfe^i zu haben. _ Diese Erwägung führte nach längerer Planungs- und Vorbereitungszeit einen der angesehensten0 amerikanischen 2 i o n i s t e n, der sich schon viele Jahre im Lano$ befand, Anwalt Näfhän D. Kaplan dazu, im Jähre 1932 die Palest ine Truslf Company Lfd., iTeI-Aviv 2u gründen//7 Die Gesellschaft hat es zu ihrem Prinzip erhoben» keinerlei Eigengeschäfte zu machen, sondern ausschließlich die Interessen ihrer Auffraggeber bei der Anlage und Verwaltung ihrer Vermögen in Palästina wahrzunehmen. Der kreis dieser Auffraggeber erstreckt sich sowohl auf Einwanderer, Touristen und Palästinenser, die sich eine neue Existenz in Palästina gründen bzw. neue Anlagen suchen wie auch auf auswärtige Kapitalisten in allen Landern der Welt, die Teile ihres Vermögens auf dem günstigen und aussichtsreichen palästinensischen Investitionsmarkt unter- \ brmgen wollen. v- Neben ihrer Tätigkeit als Investitionsagent für ländlichen Boden; städtische Grundstücke, Pflanzungen, Hypotheken und. Werfpapiere hat sich; die „Palesfine Trust Company Ltd."" auch auf ein Gebiet gewagt, das zweifellos in einer sich neu und so rasch entwickelnden Wirtschaft wie Palästina besonders schwierig aber auch ebenso wichtig ist; auf das Gebiet von Händel und Industrie. . Die Erbringung von Wirfschaftsinformationen „und Marktanalysen über bestimmte Geschäftszweige, die Beschaffung, Prüfung und Durchführung von Teilhaberschaften mit oder ohne aktive Mitarbeit; die Mithilfe beim Aufbau neuer Unternehmungen, die Anknüpfung von Handelsbeziehungen zwischen Palästina und anderen Ländern, sowie Fragen des Kapitaltransfers gehören u. a. zum Aufgabengebiet cler Abteilung Handel uhd Industrie. I Schließlich bleibt noch eine wichtige Funktion dieser Gesellschaft zu erwähnen: die Emission von Aktien alter Und neuer Gesellschaften unter solchen Bedingungen und konstitutionellen Festlegungen, die es ihr ermöglichen die Interessen und Rechte . von Minderheitsaktionären nach allen Seiten zu sichern. Finanzprobleme Von Ernst D a v i d s p h n, Tel-Aviv. Die palästinensische Wirtschaft ist als Ganzes, nicht kreditbedürftig, vor altem ai^er nicht,, bedürftig des teuersten aller Kredite; nämlich des Warenkredites. Wenn man bedenkt, daß' viele mitteleuropäische Firmen ihre Waren mit neunzigtägigem Ziel offerieren und bei Barzahlung 3 bis 5°/o Kassaskonto gewähren, so bedeutet dieser Warenkredit eine Zinsbelastung von. 12 bis. 20°/o p. a. Dieser^ Zinssatz ist wohl in Wahrheit noch höher zu bewerten, da . Firmen, die gegen Kredit liefern^ bei ihrer Kalkulation ■■■ eine entsprechende . Risikoprämie einkalkulieren. Andererseits, ist die hiesige Wirtschaft durchaus imstande, den gesamten Kreditbedarf des Landes selbst zu decken. De facto kann hier jeder Geschäftsmann von' den^Bänken-den-Kredi^ Freilich gewähren die Banken hier vorwiegend Wechselkredit und keine offenen Kredite, dochHcann man erwarten, daß auch dies sich im Laufe der^ Zeit ändern wird. Bei einiger Geschicklichkeit ist es sogar' möglich, größere Kredite zuL erhalfen als geschäftlich zu rechtfertigen istr da es eine sehr große Anzahl Bankhäuser gibt, und diese sich gegenseitig nicht über die gewährten Kredite informieren. Die Folge hiervon ist eine übergroße Konkurrenz in allen Zweigen des Handels, da bei geschickter Disposition zur Führung geschäftlicher Unternehmungen relativ wenig Eigenkapital er-.; förderlich ist. Hieraus "geht hervor, daß die großen Kreditmöglichkeiten keineswegs immer eine günstige Wirkung auf das allgemeine Geschäftsleben ausüben. Wünschenswert wäre daher ein Abbau «des".,ausländischen Warenkredits und — bis zu einem gewissen Grade — eine Umorganisierung des hiesigen Bankwesens. Die Schaffung einer Zentralstelle aller hier arbeitenden^ Banken für Kreditauskünfte wäre zu begrüben. Fernerhin wäre eine weitere Spezialisierung des Bankwesens durchaus, wünschenswert. Statt daß sich die meisten Banken sich dem gleichen Aufgabenkreis widmen, sollte es vielmehr eine größere Anzahl von Spezialbanken geben, die sich auf, die Finanzierung bestimmter Branchen beschränken; Andererseits sind die rein bankmäßigen Aufgaben groß genug, daß Banken keine abseitigen Geschäftszweige suchen sollten. Das Investitionsgeschäft ist nur insoweit eine Aufgabe der Banken, als es sich um Aktien unp^ sonstige Wertpapiere handelt. Es ist deshalb nicht unbedingt zu begrüßen, daß ein Teil der neugegründeten Banken sich über die allgemeine Beratung hinaus mit der Vermittlung von Hypotheken und Immobilien befaßt. Investitionsmöglichkeiten gibt es genug. Die Landwirtschaft braucht Kredit. Hypothekarischer Kredit zu den Sätzen des städtischen Realkredites wäre schon von Nutzen, wenngleich billigere Sätze durchaus wünschenswert wären. Eine ländliche Hypotheken* bank, die zum Beispiele Citruspflanzungen bis zu 25°/o des Wertes, aber nicht höher als £P 25,— pro Dunam tragender Pflanzung beleihen würde, hätte große Invesfitionsmöglichkeifen. Ihre Aktien und Pfandbriefe wären voraussichtlich hier gut absetzbar. Die Landwirtschaft braucht mehr Vieh. Eine Viehkreditbank, die auch gleichzeitig dieViehversicherung; besorgen könnte, hätte, ebenfalls gute Aussichten. Ebenso wären Banken, die sich besonders mit der Finanzierung des Automobilhandels beschäftigen, durchaus zu begrüßen; Auch hier wäre eine Kombination mit den entsprechenden Versicherungssparten zu empfehlen. Schließlich wäre noch zu erwägen, ob man nicht in Palästina allmählich einen Finanz- und Emissiorlsmarkt für* die benachbarten Länder schaffen'. sollte.; Die Oelleifungen nach" Haifa, die soeben formal eröffnet wurden, geben dem offiziellen deutschen „Eildienst" Anlaß zu folgenden Bemerkungen; „Neben , der politischen und strategischen Bedeutung, den die Irak-Oellinie insbesondere für England hat (Oelbasis für die Flotte, Umgehung des Suezkanals, Sicherung des Landweges zum Persischen Golf und damit nach Indien), liegt die wirtschaftliche Bedeutung für die Weltölpolitik auf der Hand. Die Verteuerung der Oelfracht durch die 'hohen Gebühren des Suezkanals fällt künftig fort, und die Eröffnung der Oellinie dürfte auch auf den rumänischen Petroleumpreis von Einfluß sein. Das Uebergewicht der Doppellinie nach Tripoli und Haifa liegt auf der englischen Seife, durch die dreiviertel der jährlichen Produktion geleitet -wird; Damit rückt Palästina, ganz unab h ä n g ig von der J u d e n f r a g e und der Industrialisierung des Landes, erneut in das Kraftfeld großer wirtschaftlicher ■ Zusammenhänge.".—...... Zusammenfassend ist zu sagen, daß die palästinensische Wirtschaft sehr'kreditfähig, aber auch im Stande ist, ihre Kredite selbst aufzubringen. Mithin ist sie an teueren Krediten, wie z. B. den ausländischen Warenkrediten, nicht interessiert. Es müßte möglich sein, den teueren ausländischen Warenkredit, soweit er berechtigt ist, durch billigeren inländischen Kredit zu ersetzen und ferner durch eine effektive Kreditkontrolle den Invesfifionswillen des Kapitals zu stärken. Billige Kredite aus dem Auslände, die unter den hier üblichen Sätzen zu haben sind, können wir daneben immer verwenden.. •'■ Alleinvertrieb der PN für Palästina und Syrien: Litera ria Tel-Aviv P.O.B. 976

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