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Palästina-Nachrichten · 1935-01-31 · Heft 1-2 (31.1.1935) · p. Seite 7

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 1-2 (31.1.1935)
Date
1935-01-31
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Banken und Investition Das palästinensische Bankwesen hat an Umfang und Zahl der Geschäfte in den letzten eineinhalb Jahren außerordentlich zugenommen. Gleichzeitig haben eine große Anzahl europaischer Bankiers und Finaniberafer in Palästina zu arbeiten begonnen. Aus der Praxis dieser Arbeit veröffentlichen wir nachstehend einige Aeußerungen, die nicht nur der Darstellung der bisherigen Verhältnisse gewidmet sind, sondern vor allem auch Anregungen und Vorschläge aus der Praxis für die Praxis bringen. ' ' ■'' V "■, .• ■■ ' '•; . . ' . ■ '/""• •■• ' ■ ■ Schafft, moderne Bankfechnik! Von Hermann E l1 e r n, Tel-Aviv. »t . , - ' ' ■ ■ 1 ■ ■ '• Jedem Besucher der hiesigen Banken fällt der große Publikumsbesuch auf. Man schließt allgemein auf eine besondere Prosperität des Bankgeschäftes, über die man umsomehf erstaunt ist, als bekanntlich'die Zahl, der Banken im Lande den Durchschnitt anderer Lander, weif übersteigt. Allein in Tel-Aviv, das .zur Zett auf eine Einwohnerzahl von etwa 100 000 geschätzt wird, . arbeiten ungefähr 5CT Bankinstitute. Bei näherer Prüfung stellt sich jedoch heraus, daß die meisten Besucher der Banken Transaktionen abwickeln, die sie in Ländern mit hochentwickeltem Bankwesen niemals persönlich am Bankschalter erledigen würden. So sieht z. B. das Wechselrecht vor, daß der Acceptant seine Wechsel auch bei einer Bank zahlbar stellen kann. Hiervon wjrd hier im Lande bis jetzt noch F kaum Gebrauch gemacht. Bei der sehr großen Verbreitung des Wechsels in Palästina hat dies zur Folgen daß ein Wechselschuldner am Verfallstage seiner Wechsel oft persönlich zu drei oder vier Banken gehen ode> aber Boten dorthin senden muß. An den hauptsächlichen Wechselzahltagen,' namentlich am Ultimo, kann man in' den Banken vor den Kassenschaltern ganze Menschenschlangen anstehen sehen. Auch der Überweisungsverkehr ist noch nicht modern ge-, regelt, da es keine Ausgleichsstelle gibt. Fast jede Bank hat bei der anderen ein Konto. Ueberweisungsa^fträge werden auf dem Postwege erledigt, und aui cüese--Weise-dauert-es-manch(nal eine ganze Woche/ bis der Begünstigte seine Gutschriftsnachricht erhält. Das Fehlen eines Scheck-Clearings und die Notwendig* keif, die Respektfrist zu wahren, hat zur Folge, daß vielfach Schecks in bar eingelöst werden müssen. Es ist klar, daß die Banken dadurch genötigt werden, viel zu große Kassertbestände zu unterhalten; - Da andererseits der Kunde, z. B. für die Wechseleinlösung, bei »ich zu Hause langsam Gelder ansammelt, so ist der Geldumlauf pro Kopf der Bevölkerung erheblich höher als in einem Lande mit modern entwickeltem Bankverkehr. Dies ist umso auffälliger, als die arabischen Einwohner, des Landes "im allgemeinen keine Noten thesaurieren.. Die' Folge all dieser Urnstände ist, daß sich die Abwicklung des' Bank Verkehrs irt Palästina verfeuert, Der Betriebskoeffizient auf den Umsatz ist außerordentlich hoch, Durch Zusammenarbeiten der Banken mit dem Publikum könnte auf diesem Gebiet jedoch viel verbessert werden. Auch in London wurde vor Jahren der Kassenverkehr in der V^eise abgewickelt^ daß die Kassenboten der großen londoneV Banken in der City herumgingen um die Beträge bei denVejnzelnehJJan!^n„^ schließlich auf den naheliegenden Gedanken kamen, sich morgens zu einer, bestimmten Zeit in einem Cafe zu treffen um - die Schecks einfach auszutauschen. Nur die Spitzenbeträge werden in bar reguliert. So entstand in London das Clearinghouse- System und damit der Anfang des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.. Die Barumsätze worden auf ein Minimum reduziert und jede Zahlung wird, wenn irgendwie möglich, den Clearinghouse- Banken überlassen. Selbstverständlich bedurfte es der Erziehung des Publikums, um ein derart vorzüglich arbeitendes System zu schaffen, wie es heute in London besteht. Hier im Lande müßten Clearing-Stellen zunächst in Tel-Aviv, dann auch in Haifa und Jerusalem geschaffen werden. Außerdem müßte das Publikum dahin belehrt werden, daß es durchaus nicht nötig ist zur Abwicklung jeder Wechselzahlung persönlich bei der Bank vorstellig zu werden, sondern daß man die Wechsel bei der Bank zahlbar stellt. Die Bank löst dann a I fe Wechsel Ihrer Kunden durch ei ne,Gutschrift oder einen, Scheck ein. Viel Zeit, viel Äerger und Viele Beamten könnten dadurch gespart werden und der aufgeblähte Apparat der Banken würde sich wesentlich verkleinern lassen, Auch, für die Bankkunden würde sich dann der Bankverkehr viel einfacher und rascher abwickeln.. Für das Wirtschaftsleben ganz allgemein wäre durch eine solche Organisierung ein wichtiger Störungsfaktor beseitigt. ,; "v^i . ■ .■• Spezialaufgaben Von Berthold S f e i n b e r g, Mitinhaber von The Köllenscher, Loewenberg & Co. Bank Ltd. Die ersten Schritte, welche der Einwanderer im Lande zu tun pflegt und welche ihm die erste Berührung mit der palästinensischen Wirf schaff vermitteln, führen ihn im allgemeinen zur Bank. Bedenkt man, daß die Beträge, welche dem Einwanderer, besonders aus Deutschland zur Verfügung gestellt werden, sei es durch Bar-Transfer, sei es durch* den Transfer durch 'die Haawarah, in fast allen Fällen sein gesamtes Vermögen darstellen, so liegt die Bedeutung der palästinensischen Banken bei der Frage der wirtschaftlichen Einordnung *uf der Hand. Sind diese doch die ersten Treuhänder und, wenn dies gewünscht wird, die ersTen Berater des Einwanderers, der in fast allen Fällen vor die Notwendigkeit gestellt ist, sieh in einem ihm bisher völlig unbekannten Wirtschaftsraum zu orientieren. Bei der Beschränktheit der Mittel im Einzelfalle, die ein Zehren vom Kapital stets außerordentlich unerwünscht, manchmal als existenzbedrohend erscheinen lassen, ° , ist es von entscheidender Bedeutung, das Kapital möglichst , schnell und unbedingt .sicher zinstragend so anzulegen, daß der Einwanderer in den Genuß ausreichender Subsistenzmittel gelangt und ihm dennoch die Möglichkeif offenbleibt, sein Vermögen, nach genauester Prüfung aller erforderlichen Voraussetzungen, zu gegebener Zeit in Landwirtschaft, Handel, Gewerbe oder Industrie zu investieren. , . , / - Zur treuhänderischen Verwaltung* des Vermögens und zur Beratung bei der Anlage desselben und bei der Durchführung der Anlage, zur Erteilung, aller Informationen sind naturgemäß in erster Linie die Banken als die besten Kenner der Wirtschafteinerseits und die objektiven Wahrer der Interessen ihrer Kundschaft andererseits berufen. Während die Großbanken ihre Aufgabe in erster Linie als die Vermittler des .Welthandels erfüllen, ist im Verlauf der letzten Jahre, hervorgerufen durch die starke Einwanderung mittelständlicher Elemente, ein Bedürfnis nach Privatbanken entstanden, deren einige, fast ausschließlich von deutschen Kapitalisten, im; Laufe des - letzten Jahres g^ri'inA^i^^^n-^inA-~^<^ m^ h4" ' .. es sich zur speziellen Aufgabe, den weder mit den. Wirtschaffsnoch mit den_Reditsye_rhältmssenides—Landes^vertrauten, der hebräischen Sprache nicht ausreichend mächtigen Einwanderer mit Rat und Tat bei ihrer wirtschaftlichen Einordnung zur Seite zu' stehen. . ■•.•„ •" . y; .'• ■ ' Einen großen Raum wirtschaftlicher Betätigung finden sämtli.cher Banken in der Diskontierung oder Lombardierung von i Wechseln. Es darf hier als auf eine Besonderheit darauf hinger wiesen werden, daß im palästinensischen Wirtschaftsleben der Wechselverkehr_jLeinja-_außerörxlenfliehe Bedeutung besitzt und / Wechsel mit Selbstverständlichkeit für alle Verpflichtungen, gegeben werden. Das Wechsel-Portefeuille der Banken stellt somit einen nicht unerheblichen Prozentsatz auf der Anlageseite der Bilanz. Einen weiteren Geschäftszweig stellt die Einräumung von Krediten dar, wobei die Bevorschussung von Exporten (Orangen ' und Grapefruit) ebenso wie die Accr'editiv-Gestellung für Importe eine nicht unbedeutende Rolle, spielen. Im Zusammenhang hiermit steht ein ausgedehnter Devisenverkehr. Auch das Waren- Lombard-Geschäft wirc(.-. gepflogen. Dagegen ist die Bevor- , schussung^ron ~Außenständen7^o^ Kredit an kleine und mittlere Gewerbetreibende wird von den hierzu besonders geeigneten mittleren Instituten gepflegt, während der eigentliche Industrie-Kredit, soweit ein ^solcher _überhaupt gewährt wird, mehr durch die Graß-Institute gegeben. Die allgemeine Hypotheken-Bank versorgt, soweit nicht i Hypotheken aus Privathand gegeben werden, Palästina zu einem nicht unerheblichen Teil , mit langfristigem HypothekenkapitaL und den Kapitalmarkt mit Pfandbriefen, welche als außerordentlich solide Kapitalsanlage vom Publikum bevorzugt werden. Die Höhe der Depositen ist in den palästinensischen Banken recht erheblich. Bei den Schwierigkeiten, welche der Wünsch nach einer absolut sicheren .und möglichst liquiden Anlage bietet, dem Zeitraum, welcher zur wirtschaftlichen Einordnung des Em- Wanderers erforderlich ist, werden - die Depositen der Banken nur langsam von cler Wirtschaft absorbiert. Die Banken, denen weiter- , hin zur Anlage in der Landeswährung nur wenige Renten- und Dividendenpapiere* zur Verfügung stehen und die zur Ausschaltung von Währungsrisiken daher im Wesentlichen auf englische, niedrig verzinsliche, Staatspapiere zurückgreifen müssen, sind daher gezwungen, die Verzinsung ihrer Depositen auf einem mäßigen Niveau zu halten. Doch kanrt man sagen, daß die Höhe der Verzinsung für Einlagen sich ungefähr mit der in Deutschland üblichen deckt. " - ' ' .v ' ■\C"V ■ ..." ■■ '

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