Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (31.1.1935)
- Date
- 1935-01-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Agen 1× ep/1043981
- Aleppo 1× ep/1047811
- Haifa 1× ep/1047930
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sich heute auf dem Wege zum Industriezentrum des Orients. Was in der Türkei, in Persien, in Aegypten trotz aller Staatsbeihilfe nur stockend heranreift, das entwickelt sich in Palästina spontan» im Zusammenhange einer von starkem Elan getragenen Kolonisation und Betufsutnschichfung. Nicht ausgeschlossen erscheint es, daf} wir in vier bis fünf Jahren bereits eine industrielle Jahresleistung von 15 Millionen £P und mehr zu plazieren haben werqfen, uncj selbst wenn dadurch ein wesentlicher Teil des heuligen Bezugs von Auslandswaren (Palästinas Wareneinfuhr 1934 schätzungsweise 14,75 Millionen £Pj ^abgelöst werden könnte, würde für einen wesentlichen Prozentsatz unserer künf-' tigert gewerblichen Landeserzeugung bei Zeiten ein -Exportventil zu erschließen sein. Dresefr ^fws^n^w~tafSrt liTemäncT ausweichen, der heute eine industrielle Gründung oder Beteiligung in Palästina plant. Eine Jfabrik, zu der die .weitaus meisten Produktionsmittel unter hohen Kosten'im Üeberseeyerkehr bezogen werden müssen, projektiert man nicht »nur für eine zeitweilige Binnenmarktskonjunktur, sondern rechnet mit Jahrzehnten . der Geschäftsenfwickiung. Welche Industrien Palästinas werden, wenn es künftig darauf ankommt, exportfähig sein/ und welchen Absatzmärkten werden sje ' zur rechten Zeil ihr Interesse zuwenden müssen? Zwei Gruppen palästinensischer Industrien erscheinen zum Export prädestiniert: Erstens die Verarbeitungsstätten einheimischer Rohstoffe, also die auf der Gewinnung der Toten Meer- Industrie-Abwanderung von Syrien nach Palästina! Verschiedene Textilindusfrielle aus Damaskus und Aleppo, besondersaus der Baumwollwßberei, trafen studienhalber in Palästina ein; um die Möglichkeit der Verlegung ihrer Betriebe nach Haifa zu prüfen. j ■ - _L Salze sirh mifbaufrttf^^ Spiritüöseniridu- 1 strje und Weinproduktion (der heute der Wegfall der „Prohi- , bitioh" in den USA. neue Export-Impulse gibt), die mit der; Citruskultur zusammenwirkende Fruchtsaft- und Marmeladen-In- ' dustrie, die auf Gemüsebau, Obstkultur und Fischerei basierende Kohservenindustrie, die auf Oliven-Verwertung gegründete Seifen- und Oelindustrie (sofern sie nach dem Vorbilde vop ,Shemen" und demnächst auch' „Yizhar,. Lfd." neueste, wettbewerbsfähige Methoden benutet). Der Auslandsmarkt all dieser * Produktionszweige^ ist regional kaum abzugrenzen. < Palästinensische Chemikalien, Weine, likörer Jams, Konserven, Seifen, Oele —rkörrnrenin der ganzen. Welt auf Absatz rechnen, wie ja auch die fit iirfiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiittiiiiuiiiiiiiiiitiiiiiiMiiitiiiitiiiiiiiiiiiitiiiii iliifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiitiliiliiiiliiiiiiiii^ bieten . llllllllllllllllllllllllllltllflMIIIIIIIMIIIUIIIIIIHIIIIIIMIIIlllllllllllllllllllllll . ' vtick rJaitfcrkiAir ^llllllllllltllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllMIIIIllllIllllllllillllllllllllllll . die deutschen.. ||||||||iii|||||f|||||||||||||i|||tuilllllIIIIIIIfUIIIIIIIUIIIIIfllllllllHllllllllini.- Exporteure ihre Neuheiten für Palästina in den Palästina- Nachfichten vom 28. Februar an. Verlangen auch Sie sofort Anzeigenqngebot von der Generalvertretung der PN in Deutschland: H. Hirsch BERLIN W15 Pari««rstr.18a J 2 Ollvq 1904 .«••»••. •««*«••#«•««?{•»«- - t(iti«a««««i«ii«itii««t«n* IIIIIIIIIIIMIIIIIIUIIIIII IlllimillllllllllllJlj In meiner Buchdruckerei wurden das Philo-Lexikon u.Werke der IBV hergestellt Bitte fordern auch Sie Offerten für ihre Drucksachen bei mir ein! MAX LICHTWITZ Berlin SW19, Neue Grünstr. 30 Tel. A6 2936 Konkurrenzprodukte eine den Erdball umspannende Verbreitung genießen. Die andere Gruppe bilden solche Industrien, deren Standorf weniger rohstoffgebunden als vielmehr > marktgebunden ist, die also dort am besten gedeihen, wo in der Nahe wichtigem Verbrauchszentren ein kaufmännisch und technisch wohlgeschulfes Unternehmertum mit ausreichenden Mitteln und tüchigen Facharbeitern neue Erzeugungsstätten errichtet und aus der unmittelbaren , Beobachtung des »Marktes die entsprechenden Konsequenzen für die besondere Anpassung an den Bedarf ableitet. Dazu zählen für Palästina namentlich die Texfil- und Bekleidungsindustrie^ die Galanterie- und MetallwarenincTustrie, die Papierverarbeitung, die Lederwarenprzeugung, dje^ Holzbearbeitung, ein Teil der Baustofferzeugung, die Karosserie-Industrie — um nur einige Beispiele zu nennen* Das Fehlen örtlicher Rohstoffquellen kann den Aufstieg dieser Industrien in Palästina ebensowenig wie in Europa hindern. An wagemutigen Unternehmern, leistungsfähigen Facharbeitern und hinlänglichen Kapitalen werden sie keinen Mangel Zu leiden brauchen. Wie aber steht es um die Märkte? Nicht nur der nähere orientalische Umkreis, der sich heute rapid l,europäisierf^ kommt hier in Frage, sondern ein noch viel umfassenderes Gebiet, die gesamte Wirtschaffsregion rings um den Indischen Ozean, die Gsfküsfe* Afrikas bis hinab , nach Kapstadt unddie ganze indische Welt. Ihnen ist Palästina, zumal kulturell gesehen, weif „näher" als der europäische Lieferant. Wer in »Palästina mit dem Bedarf einheimischer Fellachen, mit Geschmack und Kaufkraft syrischer, ägyptischer, irakischer Kundschaff rechnen muf), wird es nicht schwer finden; auch W.are_in~deri Qualitäten- und-Preisl|agen^uf-den-Markf-zu— bringen/ wie sie vom: Somali und Abesiinier, vom Suaheli und - Zulu, vom Singhalesen und Tamulen begehrt werden. . Die Aufgabe des palästinensischen Industrie-Exports, wie sie hierin skizziert erscheint, Bedarf gewifj Jahrzehnte zu ihrer Lösung. Aber wir sägten ja schon, dafj eine Industrialisierung, Wie sie sich gegenwärtig in Palästina anbahnt, nicht blofj kurzfristig ihre Existenzmöglichkeiten abstecken darf, sondern mit; einer Entwicklung von; Jahrzehnten rechnen .mufj. Dies rechtfertigt eine Betrachtung, die im Aufbau der neuen palästinensischen Industrien einen säkularen Vorgang' der Wirtschaftsgeschichte sieht, die Entstehung eines / modernen Fertigwarert- Produktionszentrums unmittelbar vor den f oren der ostafrikanischvorderasiafischen Zone, mit allen. Vorteilen der, nachbarschaftliehen Anpassungsmöglichkeit, In nicht ferner Zeit werden; wohl palästinensische Wanderausstellungen in Aden und Dschibuti, in Addis-Abeba, Mombassa, Dar-es-Salam, .. Zänzibar, Golombö und Madras erscheinen, um -Verbindungen wieder aufzunehmen, die schon zweimal, in der salomonischen Periode des Altertums und während der mittelalterlichen Blüte des arabischen Seehandels, nicht unwichtige Komponenten der „Weltwirtschaft" damaligen Umfanges gewesen sind., Ais. Einwand . gegendiesen Deutungsversuch der Zukunft von Palästinas Exporfindustrien wird vielleicht ein Hinweis auf die japanische Konkurrenz sich geltend machen. Das ist gewif} kein zu unterschätzendes Moment. So bestreitet Im Sudan Japan begreifst 6,2 Prozent des dortigen Gesamt-Imports. Mit ähnlicher Vehemenz dringt die japanische Ware auch auf den Märkten Aegyptens, /Abessiniens und Osfafrikas, Syriens und der südarabischen Staaten vor. Immerhin ist handelspolitisch in dieser Sache noch keineswegs das letzte Wort gesprochen. Es gibt noch Mittel und Wege, die japanische Ueberschwemmurig einzudämmen. Von gröfjter Bedeutung ist in diesem Zusammenhange der neuerdings zwischen dem Irak und Japan erstrebte Handelsvertrag, wonach der Irak — den in .den, letzten Jahren eine besondere Hochflut japanischer Waren, sogar auf eigenen japanischen Sqnderdampferdieiis.ten,^^ Jf.afL^Jhi-nfori-•nu^söviel'aus;Japan'"- zu•.. beziehen braucht, wie Japan seinerseits an. irakischen " Waren importiert. Einem ähnlichen Ziel steuert auch Aegypten zu, indem es für seinen enormen Bezug japanischer Waren bereits eine gewisse Kompensation in Gestalt regelmäfjigen japanischen Erwerbs ägyptischer Baumwolle erwirkt hat. Vermutlich werden Syrien, die Somali-Protektorate, die ostafrikanischen Länder diesen Beispielen bald folgen. Dann aber ist für Palästina, das heute bei seiner so stark passiven Handelsbilanz keinerlei fremde Importquotierungen auf Reziprozitäfsbasis zu scheuen braucht, ein neue* Weg zur Ausfuhrexpansion frei. Je dichter Palästina sich bevölkert, umso reichlicher wird es Lebensmittel, Rohstoffe, Halbfabrikate aus der näheren und ferneren Nachbarschaft einzuführen haben, was im Sinne des Kompensatioffsverfahrens Exportquoten für Palästinas Industrien bedeutet, deren Wahrnehmung auf Jahrzehnte hinaus ihnen eine Fülle von Beschäftigung geben könnte. t Konstruktiver Wirtschaftsaufbau bedarf der Zielsetzungen über eine Augenblickshausse hinaus, Wer an Palästinas Industrialisierung teilnimmt, mufj wissen, dar) die Volkswirfschaft dieses . Landes nicht blofj ein kolonialer Aurjenposten Europas, sondern dynamisches Zentrum eines eigenen weitgespannten Wirkungsfeldes ist.