Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 188)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 186 — Kenntnis des Hebräischen mitbringen. Solche gibt es aber heute nieht, wenigstens nicht viele. Es ist für mich geradezu selbstverständlich, dass von einer hebräischen Universität so lange nicht die Rede sein kann, als wir nicht ein Gymnasium mit hebräischer Vortragssprache besitzen. Das wäre die zweite grosse Aufgabe des Schulvereines. Wir müssen so bald wie möglich daran gehen, die in Jaffa bestehende vierclassige Volksschule stufenweise zu einem Gymnasium zu erweitern. In dieser Volksschule ist Hebräisch jlie Vortragssprache und, wie wir hören, soll die jüngst geschlossene vierte Classe die sogenannte Wysoeki-Classe, bald wieder eröffnet werden. Bedenken Sie, meine Herren, dass die Erziehungsverhältnisse in Palästina es gebieterisch erfordern, dass wir dem dortigen Schulwesen besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Die im Orient von der Pariser „ illiance" gegründeten Schulen sind meistenteils Pflegestätten französischer Assimilation. Ich bedauere, es hier sagen zu müssen, weil wir ja gewiss allen Grund haben, dem Pariser Verein für seine Bemühungen im Orient Anerkennung zu zollen. Aber diese Thatsache darf im Interesse der Wahrheit hier nicht verschwiegen werden. Mir liegen mehrere Berichte von zuverlässigen Seiten aus Palästina vor, welche alle darin übereinstimmen, dass in den Allianzschulen der französische Geist, und die Pflege der französischen Sprache vorherrschen. Diese Thatsache wird mir von einigen genauen Kennern der palästinensischen Schulverhältnisse, die hier anwesend sind, bestätigt. Es ist nicht meine Aufgabe darauf einzugehen, welche Nebenabsichten dabei im Spiele sein mö*en. Aber die Thatsache steht fest. Und ebenso steht es fest, dass es unsere vornehmste Aufgabe sein muss, hier Abhilfe zu schaffen. Das hebräische Gymnasium in Jaffa wird diesen französischen Einfluss paralysieren. Dieses bildet den natürlichen Anfang unserer ■nationalen Culturarbeit. Daun wird Stein auf Stein folgen, bis der stolze Bau vollendet ist. Und daneben und gleichzeitig wird die hebräische Literaturarbeit wachsen mit ihren höheren Zielen und sie wird das Volk erziehen für die grosse Zukunft der nationalen Selbständigkeit. Ich bin zu Ende. Indem ich das Gesagte zusammenfasse, stelle ich folgende zwei Anträge : I. Der Congress beschliesst die Gründung eines allgemeinen hebräischen Schulvereines zum Zwecke der Errichtung von unentgeltlichen Lehrkursen für die hebräische Sprache. Mit den vorbereitenden Schritten wird die zu wählende hebräische Commission betraut. IL Der Congress wählt eine hebräische Literaturcommissioa als Section des Executivcomitös mit folgenden Aufgaben: 1. Periodische hebräische Zeitschriften zu unterstützen und zu gründen, hebräische Werke zu subventionieren. 2. Junge hebräische Schriftsteller zu fördern und auf Bildungsreisen zu entsenden.