Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 185)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476255-3476257--0533-3525739- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
183 leisten, welche ihr in erster Linie zu Gute kommt. Ich will mich kurz fassen und nur darauf hinweisen, dass die Colonisation Palästinas eine Versuchsstation ist. Dieses Wort ist ausgegangen, von einer grossen landwirtschaftlichen Autorität, welche sagte: „Wir haben 20 Jahre gearbeitet und wissen noch nicht alle landwirtschaftlichen Systeme, welche in Betracht kommen." Ich möchte den Congress bitten, in diesem Sinne zu wirken. t Präsident: Es ist noch eine ganze Reihe von Rednern eingeschrieben. Dr. Neumark: Ich beantrage: Mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde und auf Üas noch in Aussicht stehende wichtige Referat über <Jie hebräische Literatur möge die Anregung des Referenten zur Abstimmung ( gebracht werden und dann möge dem Referenten über die hebräische Literatur das Wort ertheilt werden. Der Antrag Neumarks wird angenommen. Viee-Präsident: Der Referent über hebräische Sprache und Literatur, Herr Dr. Ehrenpreis, hat das Wort. Dr. Marcus Ehrenpreis (Diakovar) : Sehr geehrte Congressmitglieder! Ich bedauere unendlich, dass dieser Gegenstand, den wir alle so ernst nehmen, gleichsam erst in zwölfter Stunde verhandelt werden soll. Ich bedauere dies umsomehr, als ja auch die Frage der nationalen Jugenderziehung im Bahmen meines Beferates eine eingehende Behandlung verdient hätte. Allein die vorgerückte Stunde macht es mir unmöglich, auf diesen Punkt einzugehen und muss ich auch darauf verzichten, den eigentlichen Gegenstand meines Referates mit der wünschenswerten und von mir ursprünglich beabsichtigten Ausführlichkeit zu behandeln. Ich werde mich nur auf die allgemeine Begründung meiner Anträge beschränken. Meine Herren! Ich soll hier über die Wiederbelebung der hebräischen Sprache und Literatur sprechen; ich soll den Nachweis führen, dass die Wiederbelebung der hebräischen Sprache mit der Wiedergeburt des jüdischen Volkes unzertrennlich zusammenv hängt. Die Thatsache, dass ich hier auf dem ersten Welteongress der Zionisten über die hebräische Sprache zu Ihnen deutsch sprechen muss, ist der stärkste Beweis für diesen Zusammenhang. Es ist keine Liebhaberscbrulle, die sich manche Doktrinäre in den Kopf * gesetzt. In uns allen lebt das Gefühl, dass es nicht nur Brot ist, was wir von der zionistischen Lösung der Judenfrage erwarten. Es ist hier von mancher Seite versucht worden, die wirtschaftliche Seite des Zionismus besonders hervorzukehren. Allein die Judenfrage ist ja nicht nur die Frage der hungrigen, sondern in ganz gleichem Masse auch die der satten Juden. Unser Zionismus ist die Folge einer tiefen Sehnsucht nach einem eigenen, uns entsprechenden Lebensinhalt. Wir wollen uns heilen von der Zerrissenheit unserer Seelen. Unser grosser Culturhunger, das ist unsere grosse Noth. Und weil unser Nationalgeist nur innerhalb seiner eigenen Formen sich ganz wird ausleben können, deswegen muss unsere hebräische Sprache wieder lebendig werden. Wir wollen 'i