Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 179)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3476254-3476255-3476257--0527-3525733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Ich bekräftige voll und ganz die von Dr. Schnirer in seinem Referate aufgestellten Thesen über das bisher geübte praktische Colonisationssystem, die ja früher schon von mir auf Grund eigener Anschauung in Wort und Schrift zum Ausdruck gebracht wurden, 1. Unbeschadet der bestehenden Colonien, die selbstverständlich soweit es zweckdienlich ist, erhalten werden müssen, bedarf das bisherige Colonisationswerk einer radicalen, einschneidenden Reform. Kein Schritt zu neuen Colonisationsunternehmungen ehe dafür ein gesicherter Rechtszustand geschaffen ist! Die scharfe aber vollkommen gerechtfertigte Kritik, die Dr. Schnirer an dem bestehenden Backschischwesen übte, wird jeder Kenner der Verhältnisse ohne jeglichen Vorbehalt unterschreiben müssen. Alle Betheiligten, sowohl die betreffenden türkischen Beamten, als auch die jüdischen Vermittler, werden durch dieses Backschischunwesen ganz und gar corrumpiert, Man hat mir bedeutet, die jetzt existierenden jüdischen Colonien wären als landwirtschaftliche Versuchsstationen keinesfalls zu unterschätzen. Aber mit dem Wohl und Wehe von ca* 1000 Familienexistenzen darf man doch nicht allzulange experimentieren; und überhaupt würden edelgesinnte, finanzkräftige Gönner durch Etablierung wissenschaftlich geleiteter, wohlbestallter Gutswirtschaften viel zweckdienlicher und zielbewusster gerade dieser Phase der Zionssache dienen können, als bisher geschehen ist. 2. Kein Admiaistrations- und Bevormundungssystem im eigentlichen praktischen Colonisationswerke, sondern freie genossenschaftliche Arbeit unter einer einheitlichen, demokratisch constituierten Centraileitung. Dazu Regelung und Beaufsichtigung der Einwanderung und Ansiedelung seitens einer solchen Ceutralleitung. Ein Wort über das „Zion-Central-Comite", das im Jänner 1894 sich in Paris organisierte. Anfangs war beabsichtigt, dass dieses Comite das gesammte Colonisationswerk leite. Aus einer gewissen Ursache, die sich zur Veröffentlichung nicht eignet, beschränkte sich seine Wirksamkeit schliesslich auf die Einrichtung der Arbeitercolonie Kastinie, und die Unterstützung resp. Reorganisation von Mischmar Hajarden in Gemeinschaft mit der I. CVA. Man wirkt jetzt darauf hin, bereits anderweitig gekaufte Ländereien mit in Palästina ansässigen Volksgenossen zu besiedeln, vor Allem mit Zöglingen aus Mikwe-Israel, aber auch mit jüdischen Landarbeitern und einem grossen Theile der städtischen, jüdischen Jugend von Jerusalem, Safed,. Tiberius, Damascus u. s. w., deren liebster Wunsch es ist, das Land fruchtbringend zu bebauen* Hier muss auch betont werden, dass unter den nicht unter der Patronanz des russischen Chowewei-Zioncomites stehenden Colonisten zuviel der französische Geist vorherrscht, der gerade nicht darnach angethan ist, dem Zionismus zu Nutz und Frommen zu gereichen. 12