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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 170

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 170 (sequence 172)
Language
German, English, Hebrew
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- 170 Ich bin mir dessen wohl bewusst — schliesst Dr. Sehnirer — dass wir heute noch nicht imstande sind, diesen unseren Anschauungen allgemeine Geltung zu verschaffen. Was aber der Congress schon heute thun kann und muss, dass ist, seinen Einfluss dahin geltend machen, dass bei allen zionistischen Unternehmungen der Grundsatz festgehalten werde, dass der Zionismus nicht allein eine sociale und wirtschaftliche, sondern in erster Reihe eine nationale und ethische Bewegung ist. (Lebhafter Beifall). Präsident: Herr Dr. Kaminka hat das Wort. Dr. Kaminka (Prag). Die Flamme der Sehnsucht nach einer Wiederherstellung Zions ist im Herzen des jüdischen Volkes seit dem Untergang des Staates nie erloschen. Der politische Zionismus, dersich nicht offen hervorwagen konnte, .flüchtete sich unter den Schutz der Religion und der Wohlthätigkeit. Unzählig sind die Aussprüche in Talmud und Midrasch, sowie in der späteren nachexilischen Literatur, welche die Colonisation Palästinas durch Juden als r e 1 i g i ö s e s Gebot, als heilige Pflicht hinstellen. Am bezeichnendsten ist der Satz im Talmud j „Wer ausserhalb Palästinas wohnt, dient gleichsam fremden Göttern, verleugnet seine Religion", sowie das Wort des Midrasch : Wenn Israel yon „Ruhe" spricht, muss es an Jerusalem denken, denn nur von diesen kann es sagen, „es ist meine dauernde Ruhestättett (Psalm 135)* Während des ganzen Mittelalters war die Rückkehr nach dem heiligen Lande nicht nur der Gegenstand inbrünstiger Gebete, sondern auch das Schlusswort einer jeden Belehrung und öffentlichen Rede, das „Ceterulm censeo" Israels. Kein Prediger, kein Rabbi schloss eine Ansprache an das Yolk, ohne die Worte hinzuzufügen: „Und für Zion wird ein Erlöser kommen". Wie dachte man sich die Erlösung? Zumeist freilich auf wunderbare Weise, durch ein übernatürliches Eingreifen Gottes, entsprechend den allgemein herrschenden mystischen Vorstellungen. Es fehlte jedoch auch im Mittelalter nicht an Männern, welche sich nicht scheuten, hervorzuheben, dass die Erlösung Israels auf natürlichem Wege stattfinden würde. Rabbi David Kimehi nimmt bei der Erklärung eines Psalmverses Veranlassung zu bemerken : „Die Hilfe kommt zwar jedesmal von Gott, sie geschieht aber durch Menschenhand. So wurde die Rückkehr der Juden aus Babylon durch Vermittlung des Königs Cyrus bewirkt, und so wird die zukünftige endgiltige Erlösung ebenfalls auf natürliche Weise sich entwickeln44. Ebenso spricht Maimonides häufig ganz deutlich von der messianischen Zeit, indem er dieselbe als die Zeit der Wiederherstellung des jüdischen Staates und der auf natürliche Weise sich gestaltenden Erlösung Israels erklärt. War es im Mittelalter vorzugsweise die Religion, welche die Blicke der Juden nach Palästina lenkte, so hat in neuerer Zeit die jüdische Wohlthätigkeit sich instinctiv nach dem heiligen Lande gewendet. Zahlreiche humanitäre Institute wurden dort von euro- 4

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