Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 145 (sequence 147)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3476254-3476255-3476257--0495-3525701
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 145 sondern auch in den Hauptzügen zu bearbeiten, sowohl die Frage, wie diese grossen Capitalien zu bekommen sind, wie auch wie dieselben am zweckmässigsten zu verwenden sind, und wollen nur einige prineipielle Punkte berühren, die in der Theorie schon vielen Zionisten Anlass zum diametralen Auseinandergehen gaben. Bis nun wählte man hauptsächlich zwei Wege, um Land zu kaufen und Colonien zu gründen. Der eine bestand in Coloniegründung auf Kosten einer einzelnen Person (Rothschild'sche Colonien), der andere auf Kosten Ton Colonisationsgesellschaften (das Odessaer Comitö, Verein „Esra" in Berlin, „Zion" in Oesterreich u. s. w.). Gegen beide Wegarten erheben sich viele Zionisten. Gegen den ersten, weil er zur Verknechtung der Colonisten durch einzelne Capitalisten führen kann. Es könnte eine kleine Classe reicher Capitalisten-Bodeneigenthümer entstehen und eine grosse # Menge bodenloser Ackerbauer, armer Arbeiter, die durch nichts sichergestellt sind. Gegen den zweiten Weg wird eingewendet, dass er bloss eine Wohlthätigkeitssache, aber keine Yolkssache sei. Das Yolk werde von der Wohlthätigkeit der Reichen abhängig. Wollen wir einen jeden dieser zwei Wege näher betrachten. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass Baron v. Rothschild als Capitalist der jetzigen Colonisation Palästinas sehr nützlich war, indem er mehrere jüdische Colonien unter sein Protektorat genommen hat und sie fortwährend mit Geld versorgt Und doch ist es ein Irrthum, zu glauben, dass der wohlthätige jüdische Baron dadurch die Golonisation Palästinas gerettet hat. Er hat ganz bestimmt einige jüdische Colonien und hiermit einige hundert jüdische Familien gerettet, aber die Colonisation Palästinas wäre auch ohne den Baron und seine grossen Capitalien nicht zu Grunde gegangen, sie wäre nur eine gewisse Anzahl von Jahren aufgeschoben geblieben. Die Pioniiiere der Colonisation rechneten nicht auf v. Rothschild, als sie zuerst ihre blutigen Nägel in den heimatlichen Boden senkten, und ihr Muth und ihre Begeisterung hätten noch für genügende Zeit ausgereicht, um mit eigenem Schweisse und Blute den heiligen Boden von der grossen Sünde der Verlassenheit und Unfruchtbarkeit zu reinigen. Hätten wir nicht einen, sondern viele wohlthätige, für Palästina empfindende, sehr reiche Leute, wie es Baron von Rothschild ist, wir könnten vielleicht nicht nur auf 10—20, sondern auf hunderte blühender Colonien in Palästina mit Stolz hinweisen. Wir hätten aber auch dann in Palästina einige Dutzend reicher Grossgrundbesitzer und gar kein Ackerbauvolk. Es wäre nicht anders wie jetzt, wo die Colonisten des Barons nicht wissen, was ihnen gehört und was ihrem Wohlthäter, von dessen Willen sie alle zusammen und jeder Einzelne ganz und gar abhängig sind. Deshalb warnen auch einige Zionisten vor jeder Fühlungnahme mit den jüdischen Capitalisten, die nur unheilbringend für das Yolk werden können. Wir unsererseits zweifeln nicht, dass unter den jüdischen Eeichen sich ebenso wie unter dem Yolke echte Patrioten 1© \

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.