Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 143)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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werden und wird zur Hebung ihres nationalen Selbstbewusstseins und zur politischen Erziehung viel beitragen. Für diese Generation wird Palästina aufhören ein leerer Schall zu sein, der weder zur Seele noch zur Vernunft spricht, ein leeres, nichtssagendes Wort des alltäglichen Gewohnheitsgebetes. Es wird für sie yielmehr das Endziel der heissesten Sehnsucht, das theuerste Ideal werden, für dessen Erreichung sie alle ihre physischen und geistigen Kräfte anspannen wird. Schon im Streben allein nach diesem Ideale, im eifrigen Auftreten für die Palästinaidee wird die jüdische Jugend eine Genugtuung für sich finden, sie wird geistig sich erheben, sie wird anfangen, sich als Yolk unter den Tölkern, denselben gleich und gleichberechtigt zu fühlen. Als zweiter und mächtiger Hebel zur Wiedergeburt des jüdischen Volkes muss die Gewinnung Palästinas für die Juden betrachtet werden und sollte diese mit einem Schlage nicht möglich sein, so muss sie allmälig, aber möglichst rasch erfolgen. Je schneller, umso leichter. Erstens deshalb, weil das Schicksal Palästinas unsicher ist und das Land leichter von der Türkei dürfte erworben werden können, als von einer anderen Macht. Zweitens können jeden Augenblick auch andere Nationen das Land eolonisieren wollen (was zum Theil auch jetzt schön geschieht). Endlich trägt die Thatsache der Einkäufe von Palästinaboden bedeutend dazu bei, das Vertrauen der Juden in die Zukunft der zionistischen Idee zu stärken. Die Gründung der ersten Colonien in Palästina hat eine bedeutend grössere Bewegung und Gährung in allen Schichten des jüdischen Yolkes hervorgerufen, als sämmtliche noch so flammenden Zeitungsartikel und Reden, und keine Predigt der Antizionisten hat die Sache sa discreditiert als das Sistieren der Colonisation. Auch jetzt, ohne genügenden Glauben an die Palästinaidee, ohne noch die Hoffnung auf seine politische Zukunft zu besitzsn, interessiert sich das jüdische Yolk sehr lebhaft für die palästinensischen Colonien; nur fühlt es sich yon ihrer Unselbständigkeit peinlich berührt, den Absichten der machthabenden Barone misstrauend. Die Frage, wie Palästina fär uns zu bekommen wäre, interessiert sämmtliche Zionisten auf das Lebhafteste. Die einen glauben nur an die allmälige, langsame Colonisation, die Infiltration des Landes, Die andere Partei, ohne sich als Gegnerin der Colonisation zu erklären, ist der Meinung, dass die Colonisation sistiert werden und dass die ganze Thätigkeit dahin gerichtet sein müsse, Palästina von der hohen Pforte zu bekommen, um daselbst einen jüdischen autonomen, von der Türkei abhängigen Staat zu gründen und sämmtliche Mächte Europas für diesen Plan zu gewinnen. Diese zweite Partei schlägt deshalb yor, darauf hinzuarbeiten, dass die zionistische Frage einem europäischen Congress vorliege. Beide Bestrebungen sind in heissem Streite befangen und drohen eine Spaltung im Lager der Zionisten hervorzurufen.