Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 141)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 139 — Dr. Jacob Bernstein-Kohan (Kisehinew) : Während seines fast 2000 Jahre dauernden Goluslebens, yoII der schrecklichsten Verfolgungen und Unterdrückungen seitens fast aller Völker, mit denen das ewig wandernde und gehetzte jüdische Yolk in Berührung kam, hat sich dasselbe an Zahl nicht nur nicht vermindert, sondern, wenn auch langsam, immer mehr und mehr vermehrt. Culturell aber und geistig steht es zumeist höher als die Völker, unter denen es sein elendes Dasein dahinschleppen muss.)Das jüdischeYolk geht also nicht nur seiner Auflösung entgegen, hat seine Nationalität nicht nur nicht verloren, sondern es birgt in sich vielmehr eine mächtige, lebendige nationale Kraft, mit der es imstande ist auch seine höchsten nationalen Ideale zu erreichen. In der Erreichung dieser nationalen Ideale, die im grauen Alterthume vom gesetzgebenden Genius des grossen Mosis vorgezeichnet, von den späteren jüdischen Philosophen und Profeten bearbeitet und ergänzt, von den gelehrten Humanisten der letzten Jahrhunderte, auch des neunzehnten, als Grundlage aller menschlichen Ideale anerkannt und vorgetragen wurden, besteht die nationale Wiedergeburt des jüdischen Yolkes. Der Verfall der nationalen Ideale des jüdischen Volkes ist einzig und allein auf das unglückselige 2000jährige jüdische Golus zurückzuführen. Denn durch dieses sind die materiell und sittlich gedrückte Lage des Volkes, sowie die Aufbrauchung sämmtlicher Volkskräfte für den ungleichen Kampf mit denVölkern zu erklären. Dem Golus ein Ende zu machen ist das einzige Mittel, um diesen unaufhörlichen ewigen ungleichen Kampf, der das jüdische Volk in der Entfaltung seiner geistigen und sittlichen Schätze hindert und es hemmt, seine höchsten nationalen Ideale zu erreichen, zu beenden. Das jüdische Yolk m u s s die politische Selbständigkeit, es m u s s seine politische Wiedergeburt erstreben. In den ersten Jahrhunderten nach dem Untergange des jüdischen Reiches war das Streben nach der politischen Wiedergeburt bei den Juden, die schon damals zerstreut und der heiligen Heimat fern waren, ein sehr starkes. Die geschichtlichen Ereignisse waren aber immer derartige, dass die politische Initiative einzelner jüdischer Verbindungen, die, entsprechend dem Geiste der Zeit, eine bewaffnete war, schon in ihren Anfängen ertödtet wurde. Das Judentum verlor nach und nach den Glauben an seine politische Zukunft und schien im täglichen Kampfe für seine Existenz unter anderen Yölkern, deren politische Macht damals im Eaustrecht wurzelte, erstarrt zu sein. Erst im letzten Yiertel dieses Jahrhunderts, in welchem das politische Leben der Yölker ihren natürlichen nationalen Eigentümlichkeiten sich anzupassen beginnt, und das Faustrecht nach und nach der Macht der Cultur untergeordnet wird, sind auch einzelne Gruppen unter den Juden aus dem lethargischen Zustande politischer Hoffnungslosigkeit erwacht und haben die Idee, dem jüdischen Golus durch die Rückkehr der Juden zu national-politischer Selbständigkeit im Lande ihrer Ahnen ein Ende zu machen, pro-