Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 135)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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«ganze jüdische Volk richtet in diesem Moment seine Blicke auf uns und erwartet von uns Trost und praktischen Rath. Ich will Ihre Aufmerksamkeit nur auf einen wichtigen Punkt lenken, auf die lebendige Agitation durch die Belletristik. Meine Herren! Wir sind keine Partei in dem Sinne der modernen politischen Parteien. Was uns einigt, das sind nicht politische Dogmen, sondern Lebensinteressen. Mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele und in Vergangenheit und Zukunft * gehören wir zu einander. Daher können wir auch nicht wie andere Parteien agitieren. Nicht durch Flugblätter und Programme, auch nicht durch gelehrte Werke, sondern durch gute Volksschriften wollen wir auf unsere Brüder und Schwestern einwirken. Wollen wrir das Volk gewinnen, dann müssen wir eine Volksliteratur schaffen. Wir brauchen gute Erzählungen im nationalem Geiste, um die jüdischen Frauen für unsere Ideale zu begeistern, denn diese Frauen überwachen die Kinderseele und sie sollen die künftige Generation nationaljüdisch erziehen. Wir haben dann jüdische Jugendschriften nöthig wie das tägliche Brot, um auf das zarte Oemüth des Kindes einwirken zu können. Man wundert sich, dass die g'anze deutsche Ghettoliteratur der letzten Decennien so seicht, so langweilig, saft- und kraftlos ist und man begreift nicht, dass nur der nationale Geist eine nationale Literatur schaffen kann. Man will nicht national sein und vermag daher nur bestellte Arbeiten nach der Schablone zu liefern. Nun aber das jüdische Volk erwacht ist, wollen wir die Volksseele in allen ihren Nuancen schildern und ihre Eigenart neubeleben. In diesem Sinne wollen wir Schriften für die Jugend und das, Volk schreiben, und die ganze Judenheit wird uns dafür dankbar sein. Meine Herren! Ich will keinen formalen Antrag stellen, sondern nur die Anregung geben, dass das Comite diesem Punkte sein Augenmerk zuwende. Es wäre gut, wenn sich eine specielle Commission aus erfahrenen Männern zu diesem Zwecke bilden würde. In der Schaffung einer guten Volksliteratur liegt unsere geistige Zukunft! Dr. Bodenheimer: Die Anregungen, die gegeben worden sind, sind überaus nützlich und belehrend. Aber ich bin der Meinung, dass wir schon in eine M General -Diseussion über die Organisationsfrage gerathen sind. Ich meine, dass die sämmtlichen Anträge einer Commission überwiesen werden sollen, die sie prüft. Da mir bekannt ist, dass circa 100 Anträge der verschiedensten Art über die Organisation vorliegen, so bin ich der Ansicht, dass dieselben einer Commission zur Prüfung und Begutachtung unterbreitet werden sollen; sonst wrerden wir in 3 und 10 Tagen noch nicht fertig, wenn es so fortgeht. Wir müssen zu einer vernünftigen Organisation kommen. Kein einziger Redner hat seine Meinung über den Antrag auf Einsetzung einer Commission ausgesprochen. Es ist die Bemerkung gemacht worden, dass die Anträge, betreffend Organisation, nicht gedruckt mitgetheilt worden sind. Diese Bemerkung ist berechtigt, denn jedes Mitglied muss etwas davon wissen. Aber es ist nicht zu vergessen, dass der Congress eine blosse Improvisation ist! Um aber den Fehler einigermaßen* zu reparieren, ist der Organisationsplan sofort in Druck gegeben worden, und soll derselbe in einer Stunde hier vorliegen. Präsident: Ich verstehe die Geschäftsordnung dahin, dass zunächst über den Antrag Wolffsohn abgestimmt wird, die weiteren Anregungen kommen erst nachher; ich kann mir nicht vorstellen, dass die Anträge der Commission schlechter behandelt werden, als diejenigen, die aus dem