Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 131)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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- 129 - Zur Verbreitung unserer Idee wird aber die Hauptsache immer die persönliche Agitation sein. Wer von der Wahrheit unserer Grundsätze erfüllt ist, wird in seinem Kreise der beste Vorkämpfer für dieselben durch das lebendige Wort sein. Er wird mit leichter Mühe die Vorurtheile, die gegen unsere Bewegung bestehen, zerstreuen und die erhobenen Verdächtigungen in ihr wahres Licht stellen können. Dann wird die Agitation in Wahrheit ihren Wortsinn erfüllen, wenn wir so Herz und Sinn derjenigen bewegen, die uns persönlich nahestehen und in deren Mitte wir uns gesellig und freundschaftlich bewegen. Die Bande der Freundschaft, welche der Parteihader zu zerreissen drohte, werden fester geknüpft und diese selbst durch das gemeinsame Streben nach einem schönen, erhahenen Ziel mit neuem Inhalt erfüllt werden. Ich komme zum Schlüsse. Im Eingang meiner Eede habe ich das organisierte Volk mit einem lebendigen Körper verglichen. Das jüdische Volk ist leider zur Zeit ein Lebewesen, dessen Organe infolge jahrhundertelanger Unthätigkeit erschlafft und gelähmt sind. Unsere Aufgabe ist es, diese Organe wieder neu zu beleben, den Geist frischen Strebens und froher Zuversicht dem Volkskörper wieder einzuflössen, damit das dahinsiechende Volk gesund und kräftig werden und der Menschheit wieder reiche Gaben seines freien Geistes darbieten könne. Dass wir aus tausend Wunden bluten, brauchen wir nicht zu beweisen, jeder Tag schlägt uns neue. Aber, dass wir fast zu Tode krank sind, erkennen wir daran, dass wir sogar zum grossen Theil die natürliche Fähigkeit verloren haben, die Hiebe, die auf uns niederfallen, zu empfinden, denselben auszuweichen oder zu entgegnen; so wenig wirkt mehr der Selbsterhaltungstrieb in unserem Volke. Nur so ist es zu erklären, dass es einzelne Stammesgenossen gibt, die Eömlinge und Vollchristen unserer Tage, die selbst das Judenelend leugnen, welches vom Osten her verzweifelnd an unsere Thüren pocht. Lassen wir uns aber in keinen Kampf mit diesen jüdischen Spöttern ein, wozu uns leicht die Erregung des Augenblicks verleiten könnte. Die Geschichte wird über die höhnenden Worte jener Herren richtend hinwegschreiten, wie sie die Volksverräther der alten Zeit, den hellenistischen Hohenpriester Menelaus und den Römling Flavius Josephus als solche auf ewig gebrandmarkt hat. Das Schiff des jüdischen Volkes irrt ziellos auf dem wild bewegten Meer umher und da ist kein Capitän und kein Steuermann, der es zum rettenden Port lenke. Jahrhunderte schon dauert das Verhängnis. Geben Sie dem Volk seine Führer und das wohlgeleitete Schiff wird gar bald unter dem frohen Jauchzen seiner Mannschaft den grünenden Strand erreichen, ein Land, das uns die die Palme des Friedens und die Sonne der Freiheit verheisst. | Wir stehen auf dem Boden der Eidgenossen, welche yorJahrhunderten unter viel schwierigeren Umständen sich ihre Freiheit 9