Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 130)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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- 128' teien die besten Vorbilder besitzen. Auf eine Merkwürdigkeit, die nach meiner Ansicht hervortreten wird, möchte ich jedoch besonders aufmerksam machen; In Russland und Rumänien bedarf es dem Anschein nach kaüm einer besonderen Agitation für unsere Sache. Die Massen sind dort .heute schon dafür gewonnen. Die dort aufgebrachten Gelder dürften höchstens zur Förderung der hebräischen Unterhaltungsliteratur durch Gründung von Volksbiliotheken, Herausgabe billiger hebräischer Classiker, wie das Unternehmen unseres Genossen Herrn Di\ Ehrenpreis, und zur Subventionirung der hebräischen Tagespresse nöthig sein. Die übrigen Gelder müssen dazu dienen, in West-Europa die jüdische Masse für die zionistische Idee zu gewinnen. Die Agitation wird hauptsächlich bestehen müssen in der Thätigkeit von Wanderrednern, welche in Deutschland, Frankreich, England und Amerika die jüdische wie auch nichtjüdische Bevölkerung über die Bedeutung und die Ziele unserer Bewegung aufzuklären haben* Diese Wanderredner könnten ja auch zugleich die Büreauleiter in den betreffenden Ländern sein. Au geeigneten Kräften dürfte es uns schwerlich mangeln. Sodann wird in jedem Land eine Tagespresse oder wenigstens eine Zeitschrift zu schaffen sein, welche alle einschlägigen Fragen unserer Bewegung theils wissenschaftlich, theils polemisch behandelt und gleichzeitig die jüdische Bevölkerung über alles sonst Wissenswerte auf dem Laufenden unterhält. Wo dies angeht, wird die bereits bestehende Presse hiefür zu gewinnen sein. Ein bemerkenswerter Vorschlag wird von dem Genossen Herrn Bader aus Lemberg gemacht, der die Gründung eines zionistischen Tageblatts im Jargon für Galiziea als noth wendig hält. Wenn ein solches Blatt zustande kommt, möchte ich die Bitte aussprechen, in demselben, so weit dies möglich ist, durch Aufnahme besserer belletristischer Werke auch die hebräische Sprache zu fördern. In dritter Linie hätte sodann das Bureau der Landesorganisationen Brochuren und Flugblätter zu Agitationszwecken herausgeben und zu verbreiten, in der gleichen Weise, wie die „Nationaljüdische Vereinigung für Deutschland" einen gedeihlichen Anfang gemacht hat. Auch durch Gründung jüdischer Turnvereine, welche ein Prager Genosse in einem Schreiben an mich vorschlägt, dürfte ebenso wie durch diejenige akademischer Vereinigungen die Agitation wesentlich gefördert werden. Ganz abgesehen von der socialpolitischen Bedeutung unserer Bewegung wird es auch sonst für die sittliche Entwicklung unserer jüdischen Jugend von hervorragendem Wert sein, wenn sie von den Herz und Verstand verödenden Vergnügungen des modernen Grossstadtlebens abgelenkt und zu gemeinsamem, höherem geistigen Streben und kräftigenden Leibesübungen hingelenkt wird. ■tt