Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 124)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 122 etwa jemals das Mandat abtrünniger Knechtseelen und feiger Heuchler abgewartet? Wenn in der Brust von hunderten begeisterter Männer der Wunsch lebt, ihrem unterdrückten Volk zu helfen, dann ist die Ueberzeugung von der Notwendigkeit der befreienden That, das einzige Mandat, welches sie zu gemeinschaftlichem Handeln bewegen darf. Da wir also zur Zeit allein das jüdische Volk repräsentieren, so haben wir als jüdische Nationalversammlung, gestützt auf die Anhängerschaft eines erheblichen Theiles des jüdischen Volkes* diejenigen Einrichtungen vorzubereiten, welche man im hervorragenden Sinne als die Vorbedingungen staatlicher Ereignisse betrachtet, das ist a) die Organisation des national-jüdisch empfindenden Volkes. b) dessen culturelle Vereinigung mit einem bestimmten Land. Ob sich dann unter diesen Vorbedingungen ein Staatswesen wirklich entwickeln wird, ob dieser Gipfelpunkt nationaler Cultur für das jüdische Volk wieder erreichbar ist, die Lösung dieser Frage können wir getrost der Zukunft, müssen wir der göttlichen Vorsehung überlassen. Nachdem wir so erörtert haben, dass und warum wir einer Organisation bedürfen, wollen wir nunmehr untersuchen, wie die Organisation beschaffen sein muss, um unserer Sache zu dienen. Die Grundlage dieser Organisation muss ein klares, kurzes Programm sein, die Aufstellung der Grundzüge, welche uns als Partei einigen und von anderen geistigen Richtungen innerhalb der Judenheit trennen. So wie die Seele, der Geist eines Menschen dessen Handlungen bestimmt, muss auch das Programm stets die Eichtschnur unserer Parteitaktik bilden. Naturgemäss muss dieses Programm ein allgemeines sein, welches Zionisten aller Länder durch ein gemeinsames Band umschliesst und ein besonderes in jedem Lande, in welchem sich eine gesonderte zionistische Gruppe befindet. Das allgemeine Programm darf hur das enthalten, was uns alle einigt, ich darf wohl hier meiner persönlichen Meinung freien Ausdruck geben, die Gründung einer völkerrechtlich gesicherten Heimstätte für die unterdrückten Stammesgenossen und die Andeutung der hierzu erforderlichen Mittel. Dieses Ziel können wir verfolgen, ohne uns mit den inneren politischen Zuständen der bestehenden Staaten zu beschäftigen. Keiner derselben kann sich durch dieses Programm beunruhigt fühlen. Wir greifen keine Nation oder Confession an, oder beeinträchtigen ihren Besitzstand. Wir wollen im Gegentheil einen Keim des Unfriedens und des Zwiespaltes hinwegräumen, indem wir für diejenigen Stammesgenossen, welche sich durch nationale öder confessionelle Reibungen belästigt fühlen, ein Asyl schaffen, wo sie ihre Eigenart entwickeln können, ohne hiedurch mit anderen Nationen oder Confessionen zusammenzustossen.