Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 123)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 121 — weil sie grundsätzlich den politischen Charakter von sich abgestreift haben und lediglich aus dem Gesichtspunkte der Menschenliebe ihre Stammesgeiiossen fördern wollen. Diese Vereinigungen stehen überdies zum Theil auf dem Standpunkt der Assimilation; giengen also dieselben dazu über, sich mit politischen Gegenständen zu befassen, so würden sie keine nationale, sondern eine internationale Organisation darstellen. Dass diese Vereinigungen nur aus Juden bestehen, betrachten dieselben nicht als Zweck, sondern als einen zufälligen äusseren Umstand, der nach der Meinung ihrer Gründer und Leiter aufhören wird, sobald die Grundsätze der Menschenliebe durch die Beseitigung religiöser Vorurtheile zur allgemeinen Anerkennuag gelangt sind. Selbstverständlich erwarten diese Leute einen solchen idyllischen Zustand schon in allernächster Zeit, wobei der Wunsch Vater des Gedankens sein dürfte. Ein im übrigen kluger und gebildeter Herr, Grosskaufmann, stellte mir dieses paradiesische Zeitalter für die nächsten 5, spätesten» 20 Jahre in sichere Aussicht. Und da spricht ipan uns gegenüber von Utopien. Alle diese Organisationen bieten daher in keiner Weise die Möglichkeit der Weiterentwicklung zum Staatsgedanken, zur Rechtsausprägung des nationalen Machtwillen Wenn wir also der Meinung sind, dass das jüdische Volk zu seiner Selbsterhaltung und culturellen Entwicklung ein besonderes Gemeinwesen nöthig hat, und dieser Ueberzeugung ist Ausdruck gegeben worden — wenn uns eine Heimstätte Noth thut, auf der sich die jüdische Sonderart frei entwickeln, jüdische Begabung und Fähigkeit ungehemmt von dem Druck und der Beschränkung, denen jede Minderheit unterliegt, auf allen Lebensgebieten eine volle Probe ihres Wertes ablegen können, so müssen wir zu diesem Zweck besondere Organe und eine neue nationale Organisation schaffen. Demnach ist aber unsere Organisation nicht nur eine zionistische, sondern ihren Gegenstand und ihre Grundlage bildet das ganze jüdische Volk. Wir sind der Ueberzeugung, dass in den bisherigen assimilatorischen Organisationen nicht das jüdische Volk und dessen Machtj - wille zum Atisdruck gekommen ist, sondern lediglich eine kleine Clique von Geldmännern, die überhaupt international sind, und ihre materiellen mammonistischen Tendenzen gerne mit dem Mäntelchen eines erheuchelten Patriotismus verhüllen möchten. In dem Munde solcher Leute ist das Wort Patriotismus ein Missbrauch, und ihr ganzes Gebahren eine Farce.; Zur Schaffung einer nationalen jüdischen Organisation brauchen wir kein Mandat, wie die Protestrabbiner wollen. Die Männer, welche von dem Wunsche beseelt, ihrem Volke zur Freiheit von Druck und Unrecht zu verhelfen, zu irgend einer Zeit, in irgend einem Land ihre Br.üdör zum Werke nationaler Einigung aufgerufen, und ihre Person für diese heilige Sache eingesetzt haben, haben sie