Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 121)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 119 — Präsident: Das Wort hat Herr Dr. N o r d a n als Vorsitzender des Ausschusses. Dr. Kordau: Der Programm-Ausschuss hat sich zu nochmaliger Berathung zurückgezogen; er hat sich überzeugt, dass er einen Grund, seinen Standpunkt zu ändern, eigentlich nicht erkennen kann und dass die Hinzufügung von „öffentlich44 zu „rechtlich44 thatsächlich nichts ausdrückt, was nicht schon im ursprünglichen Text enthalten wäre. Um jedoch das nothwendige Beispiel der schwierigen Selbstüberwindung im Interesse der wünschenswerten Einigkeit zu bieten, hat der Ausschuss beschlossen, dem Antrag auf Einfügung dieses Wortes statt zu geben. Der erste Absatz wird also lauten: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.44 Diese Fassung empfiehlt der Ausschuss nunmehr zu einstimmiger Annahme. (Begeistertes Zurufen.) Der Antrag erscheint durch Acclamation angenommen. Dr. Blumenfeld zieht angesichts der grossen Begeisterung seinen Antrag zurück. Motzkin: Diejenigen Herren, welche das Wort „völkerrechtlich44 verlangt haben, erklären sich mit der Umwandlung in „öffentlich-rechtlich44 zufrieden gestellt und sprechen es aus, dass damit ihre Ueberzeugung offen und ehrlich vor aller Welt ausgesprochen ist. (Grosser Beifall.) Dr. Herzl: Das Wort hat Herr Dr. Boden he im er zu seinem Referat über die zionistische Organisation. Dr* HL J. Bodenheimer (Köln): Werte Congress-Mitglieder! Der Gedanke, uns, die wir von einer gemeinsamen Ueberzeugung beseelt sind, die der eine Wille erfüllt, unserem Volke eine feste Basis zu geben, auf der sich seine Zukunft aufbauen kann, hieher zu rufen, uns zu gemeinschaftlicher Berathung zu versammeln, das war schon der Beginn einer zionistischen Organisation. Die einfache Thatsache des Congresses hat unserer Sache unschätzbare Dienste geleistet und bedeutenden Nutzen gestiftet, selbst wenn unsere Verhandlungen ohne jedes unmittelbare praktische Ergebnis bleiben sollten* Wie eine Idee oft Geist und Körper gewaltig erregt, uns zu thatkräftigem Handeln anspornt, während wir vorher unsere Kräfte in müssiger Lethargie erschlaffen liessen, so hat der Congressgedanke überall die Judenheit aus tausendjährigem Schlummer aufgerüttelt und zur Erkenntnis ihres Daseins gebracht. Wie der Sturmwind befruchtende Keime über weite Länder ausstreut, so ♦ * _ ' hat dieser Gedanke überall, wo die zionistische Bewegung Eingang gefunden hatte, neues Leben erweckt und unsere Freunde gezwungen, sich zu organisieren, um den von allen Seiten unter unseren Stammesgenossen uns erwachsenden Gegnern Stand zu halten und ihre Begeisterung für die erste jüdische Nationalversammlung zu bekunden. Unsere Aufgabe wird es nun sein, den Hoffnungen gerecht zu werden, die unsere Gesinnungsgenossen an die Entwicklung dieses Keimes einer Organisation durch unsere Versammlung knüpfen. Die Frage, ob und warum wir überhaupt einer Organisation bedürfen, wird wohl kaum ein Gesinnungsgenosse aafwerfen; dennoch