Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 117 (sequence 119)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476255-3476257--0467-3525673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

117 Thatsache, dass die zionistische Bewegung durch die sogenannte „praktische" Thätigkeit aus dem Volke, aus unseren Herzen herausgerissen worden ist; wir, die Jugend, sind krank geworden an jener kleinlichen Arbeit unter der Maske der Wohlthätigkeit, ohne Plan, ohne Organisation, auf Schmuggel wegen und ohne Hoffnungen. Im Anfang der achtziger Jahre jauchzte die russisch-jüdische Studentenschaft dem zionistischen Ideale zu? Als das Grosse des Zionismus geschwunden, schwand auch die Begeisterung. ( Welche Garantien haben wir nunmehr, wenn wir nicht von vornherein ein festes .Programm annehmen, in welchem steht, dass wir eine „völkerrechtlich gesicherte Heimstätte" in Palästina zu gründen suchen, dass sich unsere Taktik nicht ändert? Vor denen brauchen wir uns nicht zu scheuen, wrelche deswegen zurücktreten, weil sie zu feig sind und nicht den Muth haben, uns zu folgen, denn diese haben uns bis jetzt keinen grossen Nutzen gebracht. Für die Colonisationsthätigkeit hat die judische Nation jährlich uur Zehntausende von Franken und Tausende von Mitgliedern aufzubringen vermocht; können wir glauben, dass sie damit bewusst gehandelt hat, dass in derselben ein so geringer Grad von Idealismus sich offenbart, wenn es die Lebensfrage betrifft? Aber den jüdischen Volksmassen wurde der Gedanke, dass es sich um ihr Heil, ihre Rettung, um die Lösung der grossen nationalen Frage handelt, welche nicht abgeleugnet werden kann, — dieser Gedanke wurde ihnen gar . nicht mehr nahegelegt, und für Colonisten im fernen Palästina opferten sie hinreichende Summen. Wollen Sie uns, der jüngeren Generation Arbeit geben! Wollen j Sie bewirken, dass wir mit dem Heimafsideal vor das ganze jüdische | Volk hintreten, für unser festes Programm Verständnis zu erwecken | suchen und dasselbe für ein politisches Streben mit neuen Wegen lind neuen Methoden organisieren. Die Verheimlichung hat zu nichts geführt; wenn wir nicht durch ein offenes Wort die gesammte Presse, die Oeffentlichkeit in Bewegung setzen werden, werden unsere Erfolge auch bei den Juden minimale sein. Daher sage ich: Alle diese Verheimlichungen sind nur Selbsttäuschung derer, welche glauben, die türkische Eegierung wisse nicht, dass wir uns in Palästina ansiedeln und ein politisches Nationalleben beginnen wollen. Sie muss es wissen; denn gerade mit ihr soll der grosse zionistische Bund in Beziehungen und. Verhandlungen treten. Und zuletzt noch eines: Wie ist es möglich, dass wir trotz der verschiedensten Weltanschauungen einen einheitlichen Bund stiften können? Eben jenes Ideal einer „völkerrechtlich gesicherten Heimstätte" hat alle Spaltungen unt^r uns in Bezug auf sonstige Fragen, Spaltungen religiöser Natur oder in unserer Auffassung des nationalen Gedankens, die sonst auch bei uns so natürlich wären, vollständig verdrängt. Es ist also für unsere Solidarität, für die Solidarität des ganzen jüdischen Volkes wichtig, dass unser Ideal klar ausgesprochen weFde.. „ Dr. Mintz spricht als Generalredner für die Formulierung, die die Commission dem Programme gegeben. Dr. Nordati: Ich würde mir vorwerfen, den Eindruck, den die ausgezeichneten Ausführungen des Vorredners sichtlich bei Ihnen hervorgerufen haben, durch weitläufige Ilinzufügungen abzuschwächen. Nichts, was in der allerdings kurzen Erörterung vorgebracht wurde, habe ich als einen Grund erkennen können, von meinem ersten Vorschlag abzugehen. Im Gegentheil, die Gefühle, die sich zum Theii in verworrener Weise Luft gemacht haben, bestärken mich in dem Wunsch, diese Debatte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.