Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 118)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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- 116 - Motzkin (Kiew): In Bezug auf den ersten Punkt des Programme» habe ich soeben die ehrenvolle Aufgabe erhalten, ein Wort zum Ausdruck zu bringen. Wenn es mir auch sehr schwer fällt, augenblicklich mein Urtheil hinsichtlich des erörterten Punktes mit vollständiger Klarheit zu begründen, halte ich es doch für meine Pflicht, dies zu thun. Wir vertreten den Standpunkt, dass das Wort „völkerrechtlich" im Progamm stehen muss und zwar ganz in dem Sinne, wie es Dr. Herzl in seiner Broschüre geschrieben hat. Als vor 15 Jahren die Schrift „Auto-Emancipation" erschien, wurde zum ersten Male der Gedanke laut in die Welt hinausgerufen, dass das Judenthum eine „völkerrechtlich gesicherte Heimstätte" er wünsche und nur durch Schritte in diesem Sinne der öffentlichen Thätigkeit eine solche zu erhoffen habe. Mit der Zeit wurde die Bedeutung der prophetischen Mahnung so abgeschwächt, dass zuerst nichts inehjr. übrig blieb als die Colonisation Palästinas, dann die Schaffung von ein paar Colonien und schliesslich nur noch die Sammlung von Wohlthätigkeitsgeldern. Es war ein giosses historisches Ideal, aber nur kleinliche Thaten sind geblieben. Was wurde von dem wirklichen, reinen Gedanken ins Volk hinausgetragen? Der Hauptpunkt, dass wir durch unsere Idee die Lösung der Judenfrage erstreben, wurde fast vergessen. Gross war darum die Begeisterung, mit der wir den ersten Schritt zur Verwirklichung jenes historischen Beginnes, diesen Congress, aufgenommen, mächtig der Wiederhall, den schon der erste Aufruf Herzls in unseren Seelen gefunden. Es handelt sich für uns nicht um ein Wortr sondern um unsere ganze künftige Taktik; das Wort ist blos ein Symbol derselben. Es ist nach unserer Ansicht von allererster Wichtigkeit, dass der Congress seine Lösung der Judenfrage öffentlich ausspricht. Die Welt beschäftigt sich mit der Judenfrage, die Juden aber haben dazu eine Stellung* eingenommen, welche nur demüthigt. Anders ist unsere Stellungnahme, unser- Protest, wenn wir es aussprechen: Wir wollen ein eigenes Heim und zwar ein Heim offen vor aller Welt. Wir wollen nicht, dass man uns anklagt, dass wir unsere Ziele bemänteln. Alle verstehenr dass ein Volk ein Heim haben muss, und so können wir auch an die Welt herantreten mit der Forderung, dass uns dieses Heim gewährt werde. Gewiss ist mit dieser Forderung allein unser Ziel nicht erreicht. # —* Auch wir glauben nicht, dass sich sofort diplomatische Vertreter finden werden, um unsere Wünsche zu erfüllen. Aber wenn wir die Gesellschaft immer mehr mit dem Gedanken erfüllen, dass die Lösung der Juden frage nur in diesem Sinne aufzufassen Ist; wenn wir in derselben Eichtling auch unsere Taktik unter den Juden einrichten, wenn wir im ganzen jüdischen Volke für dieselbe agitieren, wenn * wir es, ich möchte fast sagen, im edlen Sinne, durchwühlen werden, so können wir auf Erfolg* nach innen und nach aussen rechnen. Dann werden wir hoffentlich in äie Lage kommen, unsere Taktik im Namen der ganzen jüdischen Nation zu unternehmen, und uns für wichtige geschichtliche Momente vorzubereiten. Viele glauben, dass wir durch unseren jugendlichen üebereifer, durch unsere „Unbesonnenheit/4 der Colonisationstbätigkeit grossen Schaden bringen können. Wohl ist es möglich, dass wir mit einem offenen Auftreten momentan einige Hindernisse für die praktische Arbeit erwecken. Aber, meine Herren! Die Colonisationstbätigkeit der letzten Jahre, im alten Stile weitergeführt, wird überhaupt zu nichts führen. In 15 Jahren haben wir einige Tausende jüdischer Bauern angesiedelt, und es ist kein grosses Interesse erweckt worden unter den Juden. Es ist eine traurige