Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 114)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476255-3476257--0462-3525668- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
{ \ ,^ — 112 — Seit 2000 Jahren hoffen wir auf den Erlöser, der uns aus dem bitteren Golus befreie und unsere Zerstreuten aus allen Enden der Welt in unser Land führe, wo wir ein ruhiges Heim finden sollen. Dieser Glaube lebt mächtig in uns und ist unser einziger Trost in schlechten Zeiten gewesen. Und trotzdem im letzten Jahrhundert Leute aus unserer Mitte erstanden, die diesen Glauben verleugnen und unsere Hoffnungen aus ihrem Herzen und sogar aus den Gebeten bannten, hält das ganze übrige Volk fest an dieser Hoffnung; sie bildet sein tägliches Gebet und richtet es auf in seiner Bedrängnis. In letzterer Zeit erhoben sich sogar einige von den sogenannten orthodoxen Rabbinern im Westen dagegen. Einer derselben meinte, all die Trostworte und Verlieissungen unserer Propheten seien nur Allegorien. Der Erlöser werde nicht zu dem Zweck erscheinen, damit Israel in sein Land zurückkehre und sein Golus beende, sondern der Erlöser werde der ganzen Welt erscheinen, um die Herrschaft Gottes zur Geltung zu bringen. Israel dagegen werde als Leuchte unter den Völkern weiter herumwandern,» wie es dies bis jetzt that. Die Uebrigen erklärten kurzweg, der nationale Gedanke Verstösse gegen die messianische Idee unserer Religion. Ich muss nun offen erklären, dass das alles nicht wahr ist. Unser Glauben und Hoffen war von jeher, dass der Messias erscheinen und die Verstossenen Israels sammeln und wieder in das Land der Väter *% führen werde. Anstatt wie bisher in fremden Ländern herumzuirren, würden wir dann wieder ein Volk sein in der vollsten Bedeutung dieses Wortes. Anstatt wie bisher dem Spott der Nationen preisgegeben zu sein« würden wir dann von allen geehrt und geachtet werden. Das ist das Glauben und Hoffen, das allen Worten unserer Propheten und Lehrer entquillt und daran hält unser Volk fest! Wir sind sicherlich nicht engherzig gegen die anderen Völker und glauben nicht weniger als diese an die allgemein menschlichen Verlieissungen unserer Propheten. Wir beten am Neujahrs- und Versöhnungstage: „Lass, o Gott, walten deine Furcht über all deinen Werken un,d deinen Schreck über all deinen Geschöpfen, auf dass dich alle Werke fürchten und dich verehren alle Geschöpfe, dass sie sich zu Einem Bunde vereinen, deinen Willen mit ganzem Herzen zu erfüllen . . Aber auf dieses Gebet folgt ein anderes: „Verleih' o Gott Ehre deinem Volke, Lob deinen Verehrern, gute Hoffnung denen, die nach dir verlangen, Zutritt denen, die auf dich vertrauen, Freude deinem Lande und Wonne deiner Stadt und Auf blühen der Macht deinem Diener David," Und wahrlich, die Ehre unseres Volkes, sein Lob und seine gute Hoffnung hängen nur von unserem Lande ab, von der Freude und Wonne unserer Stadt. Nur dann wird das Unrecht verstummen, alle Bosheit wie Rauch verschwinden und die Herrschaft des.Frevels wird vom Erdboden abgeschafft sein! ' | ' % ' Gott, der Beschütze*1 Israels und sein Erlöser, möge sein Wort in Erfüllung gehen lassen: ,So spricht Gotf, ich helfe meinem Volke aus Osten und Westen und werde sie bringen, dass sie in Jerusalem wohnen, nur ein Volk seien und ich ihnen ein Gott, in Wahrheit und Gerechtigkeit4 (Sacharia 8)." Präsident: Das Präsidium glaubt in Sinne des Congresses gehandelt zu haben, wenn es den Eabbinern Samuel Mohilewer und Dr. Euelf, die dem Congress ihre Sympathie ausgedrückt haben, Kundgebungen des Dankes zugesandt hat. (Jubelnde Zustimmung.) Inbetreff des Briefes von Dr. Euelf glaube ich, von dessen Mittheilung absehen zu sollen, da sich Gelegenheit finden wird, ihn zu publicieren.