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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 105

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 105 (sequence 107)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 105 Wir haben bis jetzt nur die wirtschaftliche Seite der Judenfrage berührt. Die Judenfrage ist aber auch eine nationale Frage. Der Nichtjude sah und sieht im Juden stets den „Fremden/' Die wirtschaftliche Lage der Juden war und ist nur die Folge, dass die Juden als „Fremde," als Angehörige einer fremden Nation angesehen worden sind. Die Judenfrage ist zu einer wirtschaftlichen geworden, weil die Juden eine fremde Nation gebildet haben und bilden. Die Zionisten erkennen den Doppelcharacter der Judenfrage, sie wissen, dass „bei den Juden weit mehr als bei Nationen, die auf ihrem eigenen Boden unterdrückt sind, die nationale Selbständigkeit jedem politischen Fortschritte voran gehen muss. Ein gemeinsamer heimatlicher Boden ist, für sie die erste Bedingung gesunderer Arbeitsverhältnisse." *) Die Judenfrage ist auch eine ethische Frage. Wir wollen hier keine Vogelstrauss-Abwehrpolitik treiben. Wir wissen, dass die gegenwärtigen Verhältnisse unter den Juden dazu führen, dass manche Bevölkerungsschichten auch in geistiger und moralischer Hinsicht verkommen. Im Juden, im, Paria, werden doch alle edleren menschlichen Gefühle mit Gewalt unterdrückt. Die ganze Emancipation des Juden, dieganzedem Juden gewährte Freiheit ist nur die Freiheit des Handels, die Freiheit des Schachers. Die Gefahr liegt vor, dass die Juden in der zweiten Hälfte der Neuzeit ebenso in geistiger Hinsicht verkümmern, wie dies in der zweiten Hälfte des Mittelalters unter dem Drucke der Judophobie der Fall war. Wo der Pauperismus, wie im O^ten Europas herrscht, ist auch kein Wunder, dass viele in wirtschaftlicher Hinsicht moralisch zu Grunde gehen. „Der gesellige Mensch bedarf, wie die geselligen Pflanzen und Thiere, zu seinem Gedeihen und Fori kommen eines weiten, freien Bodens, ohne welchen er zum Schmarotzer herabsinkt, der sich nur auf Kosten fremder Production ernähren kann*" 2) „Wir wissen, dass im Judenthum das Bedürfnis gesunder Arbeitsverhältnisse, welche die Ausbeutung der Natur durch den Menschen zur Basis haben, tief gefühlt wird. Wir kennen die grossen Anstrengungen, welche unter uns gemacht werden, um unsere jüngere jüdische Generation zu nützlichen Arbeitern zu erziehen. Wir wissen aber auch, dass die Juden* im Exil sich solchen Arbeiten, wenigstens der Mehrzahl nach, niemals widmen können, weil ihnen die erste Bedingung, zu denselben, der vaterländische Boden fehlt, und weil sie sich nicht mit den Völkern, unter welchen sie zerstreut leben, vermischen können, ohne ihrem Nationalcultus untreu zu werden." 3) Wir können uns die Aufzählung der Sünden ersparen, die uns vorgeworfen werden, oder die wir selbst anerkennen. Wir wollen ') Moses Hess: Rom und Jerusalem, S. 110. 2) Moses Hess a. a. 0. S. 110. 3) A. a 0. S. 111.

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