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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 104

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 104 (sequence 106)
Language
German, English, Hebrew
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f. — 104 — Intelligenz. Die Judenfrage ist aber nicht die Frage der kleinen Gasse der jüdischen Intelligenz, sondern der Masse des jüdischen Volkes. Wir müssen offen sagen, „die Abschaffung der künstlichen Grenzen des Niederlassungsgebietes" wäre ein Palliativmittel und nur für eine bestimmte Gasse der Juden* In das Innere Russlands wird nur der wohlhabende Jude auswandern können. Angenommen, dass alle auswandern könnten, so würden sie zweifelsohne weiter Handel treiben. Einerseits werden sie auch dort die Sonnabendarbeit als Hindernis haben -) und andererseits entschliesst sich Niemand Arbeiter zu werden, wrenn er eine leichtere Erwerbsart finden kann. In dem „ungeheuren russischen Reiche" werden sie doch genügend Gelegenheit haben als Kaufleute Brot zu finden. Dank den Juden würde sich dann zweifelsohne „bald in der ökonomischen Lage der Provinzen des Innern von Russland ein sichtbarer Fortschritt vollziehen/'2) Die Reaction in der Form des Antisemitismus wird aber auch kommen, sobald ein eigener „nationaler" Kaufmannsstand aufkommen wird.;• Das Elend unter den Juden Osteuropas ist daher unter den herrschenden Umständen ein abschreckendes. Wir hörten, dass in Galizien 70°/o der Juden aus Bettlern bestehen. In Russland besteht auch die Hälfte der Juden aus Paupers, die sozusagen „von der Luft" leben. In Wilno leben fast 95% der Juden im Elend,3) in Berdyczew bestehen 75% aus solchen, die keinen bestimmten Erwerbsberuf haben, 4) und ebenso ist es in Warschau, Minsk, Kischinieff; Lublin, Lodz u. s. w.5) In den kleinen Städten und Flecken geht es den Juden noch schlimmer* Man kann sich leicht die Lage dieser armen Juden vorstellen, die in den kleinen Orten 50—80% der Gesammtbevölkerung ausmachen.6) In Congresspolen beträgt die jüdische Bevölkerung in den kleinen Städten mit einer Einwohnerschaft bis 10.000 Personen 40—70% der Gesammtbevölkerung. 7) Das noch so stark hinter Frankreich in wirtschaftlicher Hinsicht stehende Polen hat eine relativ fast so grosse (meist jüdische) städtische Bevölkerung wie Frankreich.s) Welches -Elend muss nun unter diesem wirtschaftlich so rückständigen Volke herrschen! ') Vergl. N. Sokolow in der „Hazefirah" 1897 Nr. 47. 2) Alliance Isr. Univ. Bericht für 1881, S. 44. 3) Subfrotin a. a. 0. 96. 4) A. a. 0. II, 121. 5) Vergl. „Welt" Nr. 9, S. 10, Bericht der Alliance Israelite Universelle Mars 1897 p 34 f und Subbotin I. 50, 86, 88, II, 79, 120, 121, 124, 180, 181 u. ö. 6) Subbocin I, 4, 49, 50, 56, 110 II, 9, 73, 78. 94, 102, 131, 157, 181, 182, 185, 187. ') Dr. Z. Daszynska: Ze statystyki ludnoscivvej Krölestwa Polskiego im Ateneum 1893, S. 388. 8) A. a. 0. 386. i?

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