Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 104)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 102 — \ ' / wären, wie man das so oft hört."*) Gegen dieses System muss einmal mit aller Entschiedenheit protestiert werden* Die osteuropäischen Juden sind arme aber ehrliche Leute, von denen ein grosser Theil im Schweisse seines Angesicht sich sein Brot erwirbt und sogar der osteuropäische Wucherjude steht unter Umständen noch höher als ein westeuropäischer Herr Arton. Ein grosser Theil der Juden Osteuropas beschäftigt sich mit Handel.2) Es gibt aber in Kussland eine grosse Zahl jüdischer Handwerker. In einer im Jahre 1891 veröffentlichten Schrift lesen wir, dass nach der officiellen Statistik 12% der im Niederlassungsgebiet wohnenden Juden Handwerker sein sollen.3) Wir können jedoch mit Sicherheit behaupten, dass in Lithauen der Procentsatx ein viel höherer ist. Die Judenschaft macht da aus den grössten Procentsatz der Handwerker, so z. B. in Wilno 62%,4) in Kowno 73%,5) in Odessa 52% aller Handwerker6) u. s. w. Die jüdischen Handwerker bilden in vielen Städten V4~ V3 der jüdischen Bevölkerung.7) Ausserdem gibt es noch viele ungelernte und Fabrikarbeiter. In der industriellen Stadt Bialystok bestehen fast 90% der Juden aus einer physisch arbeitenden Bevölkerung.s) Die Frage spitzt sich also beim ersten Anblick auf eine rein sociale zu und man könnte bereits zum trügerischen Schlüsse kommen, dass die Juden Osteuropas mit der Zeit ein Fabrikproletariat bilden werden, dass es also keine Juden-, sondern nur einesociale Frage gäbe. Dieser Schluss wäre grundfalsch. Die Bedingungen sind weder in Galizien, noch imr Ansiedlungsgebiete Süd-Westrusslands solche, dass dort eine Gross- oder wenigstens Mittelindustrie im eigentlichen Sinne des Wortes aufkommen könnte. Die jüdischen Handwerker sind entweder Alleinmeister oder Kleinmeister, die höchstens einen Gesellen und einen Lehrling beschäftigen. Im Gouvernement Wolhynien befinden sich z. B. im Ganzen 47.800 Handwerker, wovon 32.100 Meister und 15.700 Gesellen und Lehrlinge,9) im Gouvernement Kieff 23.000 jüdische Handwerker, die 7% der jüdischen Gesammtbevölkerung ausmachen, darunter 11.000 Meister und 12.000 Gesellen und Lehrlinge. 10) In Minsk, das eine grosse jüdische Bevölkerung auf- ') Hermann Bahr: Der Antisemitismus S. 106. 2) Vergl. Moschilracb (hebräisch) I, 8, S. 177 f und Subbotin : W. Tschertie ossiedlosti (russisch) I. S. 10, 18, 66, 72, 74, 116, 129, IL 2, 16, 23, 45, 143, 171, 212, 214, 215, 217, 218. 3) Die Verfolgung der Juden, herausgegeben von der ,.Jüdischen Presse",. Berlin 1891, S. 21 . ' 4) Subottin I, S. 72. 5) A. a. 0. S. 127. ß) A. a. 0. IL S. 227. 7) A.,a. 0. I, 149, 59 f., II, 225 i. 8) A. a. 0. I, S. 63. 9) Subbotin II, S. 150. "') A. a. 0. S. 179.