Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 102)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476255-3476257--0450-3525656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/ — 100 wegen begünstigt man sie. Die Geschichte der Juden der Neuzeit ist nur eine Wiederspiegelung der Judengeschichte des Mittelalters. Der edle Josef von Oesterreich war einer der Ersten, der die Lage der Juden verbessern wollte. Aus dem von ihm erlassenen Toleranzedikt ist doch zu ersehen, dass ihm zugleich sehr darauf ankam, dass die Juden das Gewerbe und den Handel fördern/ Der Philosoph Friedrich der Grosse ertheilte dem Philosophen Moses Mendelsohn noch im Jahre 1779 nicht das Privileg „ordentlicher Schutzjude zu sein," während die Bankiers Abraham Marcus Veite! Ephraim und Daniel Itzing schon 1761 „die Freiheit eines christlichen Bankiers vor und ausser Gericht" erhielten, denn „den Juden war der Schutz hauptsächlich gestattet, damit sie Handel, Commerce, Manufact.uren, Fabriken it dgl. betreiben/4 Die Emancipation der Juden hatte in ihrem Keime schon die Bedingung, dass der Jude Händler bleibe. Der Grund der Judenemancipation im 19. Jahrhundert ist in unserer wirtschaftlich-capitalistischen Entwicklung zu suchen. Die Neue Zeit brauchte den Juden als Händler. Die Freiheit des Handels brachte mit sich die Befreiung der Juden, der Händler. In Deutschland, Oesterreich, in der Schweiz u. s* w* erfolgte die endliche Judenemancipation in den Jahren 1860 — 1867, d. i. in der Periode des Beginnes der Cobden'schen Freihandelsaera in Europa. Die Juden waren als bürgerliche Befreite nicht besser und nicht schlimmer als die übrige bürgerliche Bevölkerung. Sie haben „fast auf allen Gebieten der Geistesthätigkeit, in der Wissenschaft,, in der Dichtung u. s, w. Hervorragendes geleistet." In wirtschaftlicher Hinsicht „wäre vielleicht Deutschland gegenüber der älteren wirtschaftlichen Cultur Englands und Frankreichs nicht so schneit auf die Höhe gekommen, wenn nicht die Eigentümlichkeiten des jüdischen Stammes ihm um Mitte unseres Jahrhunderts Hilfe geleistet hätten." *) Die Juden erfreuten sich in der Neuzeit der sogenannten Freiheit so lange man sie haben musste, so lange kein „nationaler" genügend tüchtiger Kaufmannsstand vorhanden war. Man begünstigte die Juden in Deutschland und Oesterreich, Bulgarien und Serbien.2) Der heute so stark antisemitische Wiener Gemeinderath schenkte noch im Jahre 1882 — 5000 Gulden zu Gunsten der armen russischen Juden.3) Jetzt, wo man die Juden nicht mehr braucht, werden sie überall gehasst und alle Uebel, die ihren Grund und Boden in der modernen Wirtschaftsentwicklung haben, werden ihnen zur Last gelegt. Dies zur Lage der Juden im Allgemeinen. Jetzt noch Einiges über die Lage der Juden in Osteuropa. Wir werden die Lage der *) Förster W. Prof.: Die Ethik des Nationalismus und der Judenfrage, S. 16. 2) Alliance Israelite Universelle, Bericht >für die Periode 1860—1885r S. 17-23. 3) A. a. 0. Bericht für 1882 I, S. 21. %