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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 98

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 98 (sequence 100)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 98 — brachte es mit sich, dass sie nirgends in grosser Anzahl, dafür aber an möglichst vielen Punkten sich ansässig zu machen suchten." *) Der Jude ist aber ein Fremder, der Jude, der Fremde soll „ausgerottet und vernichtet werden, wenn er nicht mehr als dienen kann."2) Der Jude ist eine fremde Ware, die man nur so lange in's Land importieren lässt, so lange die eigene Industrie nicht entwickelt ist. Dem Juden ist auch im Mittelalter nur so lange zu handeln gestattet worden, so lange kein eigener nationaler Handelsstand aufgeblüht hatte.3) Zuerst beginnen die Judenverfolgungen in Byzanz, an „dem ersten Handelsplatz der Christenheit während des ganzen früheren Mittelalters,"4) dann folgen sie in Italien, in „dem zuerst reifenden Volke des Mittelalters," darauf in Südfrankreich, Deutschland, England u. s. w.5) Man beschuldigt die Juden, dass sie die Arbeiter ausser Land führen,6) man wendet sich gegen sie, dass sie durch Einfuhr fremder Waren die Preise der inländischen drücken,7) man klagt endlich über die „bösen hellenhunde, die der Christenmenschen Geld uszer land miUhren ufsetzigen listen senden."8) Man verbot darauf den Juden den Warenhandel. Die Juden, wurde gesagt, sind „Fremde," „Abenteurer" und daher sei ihnen der Handel mit Handels- und Wohnungsgütern verboten, und nur der mit „Abenteuerngütern," „mit Wechseln und fremden Münzen gestattet."9) Der Jude muss also Geldwechsler werden, er darf auch kein Handwerker sein, denn die Juden und die Ehrlosen sind unzünftig.l0) Der Jude muss Wucherer werden, nicht nur, weil er auch leben will, sondern hauptsächlich deswegen, weil er dazu gezwungen wird. Der Jude ist im Mittelalter eine Sache, ein Ausbeutemittel in den Händen der verschiedenen herrschenden Classen, ein Ausbeutemittel, vermittelst dessen das übrige Volk ausgebeutet und die Taschen der Herrscher gefüllt werden sollen. Ein mittelalterlicher jüdischer Glossator des Maimonides schildert am charakteristischsten die Judenfrage im Mittelalter. Maimonides führt in seiner Codification des talmudischen Rechts die talmudische Anschauung über den Wucher an, die auch die der Canonisten war, dass der Zins vom Fremden zwar gestattet, der Wucher dagegen verboten sei. Ein mittelalterlicher jüdischer Glossator bemerkt hiezu: „heute dürfen wir auch wuchern, denn das Wuchergeld bleibt nicht bei uns; es fliesst in die Taschen der Herren und der Grossen." *) Bücher: Die Bevölkerung von Frankfurt am Main, S. 527. 2) Vergl. Gumplowicz A. a. 0. S. 177. 3) Vergl. Boscher A. a. 0. und auch Saitschik: Beiträge zur rechtlichen Stellung der Juden, S. 7 und 8 *) Koscher A. a. 0. S. 512 f. 5) Nübling A. a. 0. S. 117. 6) Vergl. A. a. 0. S. 46. * ') Vergl. Bücher A. a. 0. S. 64. 8) Geering: Handel und Industrie der Stadt Basel, S. 274. ' 9) Vergl. Nübling A. a. 0. S. 72. 10) Vergl. Geering A. a. 0. S. 46. /

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