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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 97

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 97 (sequence 99)
Language
German, English, Hebrew
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— 97 man den Juden, den „Fremden", nicht zur römischen Civität und zum Grundbesitz zulassen, denn die einheimischen Herrscher werden nicht einen Theil ihrer Herrschaft weggeben wollen. — Dem Juden bleibt übrig entweder Proletarier oder Sklave zu werden. Proletarier bedeutet in der damaligen Zeit ein „auf Kosten der Gesellschaft" lebender Bettler und wer wird sich denn des armen „fremden" Juden annehmen, welcher Gracchus wird sich finden, der für Brotvertheilung an die jüdischen Proletarier sorgen wird? Der Jude kann höchstens Sklave werden. Viele Juden sind gewiss in die Sklaverei verfallen und auch mit der Zeit als Juden gänzlich untergegangen* Die grosse Masse wird sich vor dem Versinken in die Sklaverei gewehrt haben, sie hat sich einen Erwerb gesucht, um „frei" und doch „erwerbsfähig" zu sein. Die grosse Masse musste sich zerstreuen und, dass die Mehrzahl dieser zerstreuten Juden vorn Handel leben musste, „ist für den Nätionalökonomeo wohl unzweifelhaft. *) Der Jude, sei es noch zur Zeit der Scheinexistenz oder nach Untergang des Juden- Staates, vom Börner und Syrier verdrängt, muss Händler werden. Der Jude wird ein Städter, er bildet den Anfang eines freien Bürgerthums — und dieser Anfang .bedeutet zugleich den Anfang der modernen Judenfrage. Da kommt das Mittelalter. Die Geschichte der Juden des Mittelalters ist ein Ebenbild der Geschichte der Juden der Gegenwart — und der Zukunft, wenn die Juden immer weiter als Fremde, als Gäste in fremden Ländern leben sollen. Man begünstigt die Juden, so lange man sie braucht, man verfolgt, man verachtet sie, wenn sie unnöthig sind. Der Jude kann im Mittelalter kein Land erwerben,2) er kann auch kein miles sein, keinen Heeresdienst leisten, damit er dem Nichtjuden, dessen Hauptgeschäft das Raubritterthum ist,3) keine Concurrenz mache. Der Jude, der Leibeigner nicht sein will oder kann, legt sich auf den Handel. Die Juden waren in der ersten Hälfte des Mittelalters die Kaufleute,4) „denn die Juden konnten nur durch Handel ihr Leben fristen."5) Der fremde jüdische Stamm war gezwungen „sich zur Befriedigung der Bedürfnisse des stärkeren Stammes benützen lu lassen.6'6) „Die Juden befriedigten damals ein grosses Bedürfnis, das Bedürfnis des gewerbmässigen Handelsbetriebs"7) und „ihre Erwerbsthätigkeit *) Vergl. Roscher : Die Stellung der Juden im Mittelalter in der Tübinger Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft 1875, S. 508. 2) Nübliiur: Die Judengemeinden des Mittelalters XXXIX ad 69, Ashley: Englische Wirtschaftsgeschichte I. 206. 3) Nübling A. a. 0. XXVI. VergL Lamprecht A. a. 0. 461. 4) Vergl. Lamprecht A. a. 0. S. 1452. 5) Vergl. Nübling A. a. 0. S. 173. 6) Vergl. Gumplowicz : Der Kassenkampf, S. 164. 7) Koscher A. a. 0. S. 506. 7

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