Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 88)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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Eine dritte verhängnisvolle Wirkung des abstraeten Europäerthums — aber, zum Unterschiede von den zwei vorigen, schon aus der Ahnung seiner Unzulänglichkeit hervorgegangen — ist jene Bewegung, die einen verkehrten Weg einschlug, um sich das Europäerthum zu beseelen, die Assimilation. Nicht die Assimilation ist gemeint, die den Muth volligen Abtalls durch Taufe oder Mischehe hat. Die Yerluste, die diese hervorruft, sind mehr, möchte man sagen, arithmetische, wie sie jedes Yolk erleidet, und bilden daher — mögen sie auch bei den Juden häufiger und bedenklicher sein — keine wesentliche Gefahr. Nein, nicht von der radicalen, wirklichen Assimilation ist hier die Rede, vielmehr von jenem feigen Auskunftsmittel einer sogenannten Assimilation unter Beibehaltung einer sogenannten mosaischen Confession. So aussichtslos auch von vornherein infolge ihres inneren Widerspruchs die Lehre ist, ihre Schädlichkeit darf keineswegs unterschätzt werden. Sie hat innerhalb der westlichen Judenheit eine Zerrissenheit des Charakters gezeitigt, die noch schlimmer ist, als die Excesse weltbürgerlieh er Phantasie und mammonistischer Berechnung. Sie hat hervorragende Geister um die positive Volksindividualität, der sie zustrebten, betrogen; sie hat ehrliche Menschen zu lebenslänglicher Maskerade gepresst und sie dadurch moralisch zersetzt; sie hat niedrige Elemente zu einem Wettrennen um den Preis der höchsten Assimilation, das heisst des grössten Affentalentes, aufgestachelt. Dieses widerliche Schauspiel theilt sich dann mit dem nebelhaften Weltbürgerthum und dem dreisten Mammonsgötzendienst in die Schuld des riesigen Anwachsens des Antisemitismus. So sehen wir denn, wie auch im civilisierten Judenthum, das vielen naiven Seelen als so eine Art Rettung aus der Starrheit des Ghetto erscheint, culturelle Kräfte gebunden oder gar in culturzerstörende Kräfte umgesetzt .werden. Wir sehen den alten, fast hätte ich gesagt altehrwürdigen, Judenhass zum Antisemitismus werden, zu einer durchaus anticivilisatorischen und anticulturellen Strömung. Denn das ist er. Er führt die Völker bezüglich der wichtigsten Fragen des Menschengeschlechtes irre, er fälscht die nationalen, politischen, socialen und religiösen Bewegungen und kommt nicht einmal seinem speciellen Lebenszweck, der Lösung der Jüdenfrage, um einen Schritt näher. E r weiss kein Mittel, um die Juden aus dem europäischen Yölkerleben zu eliminieren und wüsste er es, für die Völker wäre damit im Grunde nicht allzuviel erreicht. Für sie ist die Judenfrage am Jlnde doch nur ein — wenn auch mitunter recht störendes —. Detail. Hauptsache, Daseinsfrage ist die Judenfrage ja nur für die eigentlich und unmittelbar Betroffenen, für uns selbst, für uns, welchen sie eben an Leib und Seele geht — im Osten und im Westen. Wir müssen denn auch äii ihre Lösung denken. Unsere Sorge muss es sein, die östlichen Juden dem Fortschritte zurückzugeben, den westlichen ihr todtes Europathum zu beseelen. Das ist aber nur auf zionistischem