Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 80)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 78 - . . % Hauptstadt in einem ausschliesslich für Herren geschaffenen Club („Slavojanskaje Besseda"), wo nur solche Juden ausnahmeweise zu Bällen eingeladen werden, die im Besitze von hübsehen Töchtern sind. Und wie es in Sofia ist; so ist es auch in der Provinz. Einer unserer Vertrauensmänner aus Süd-Bulgarien schreibt uns: „Wenn man von unseren Stammesgenossen spricht, muss man wissen, dass wir uns derselben Rechte, wie unsere Mitbürger, nicht erfreuen. Der grösste Theil der Juden besteht aus Kaufleuten und Handwerkern und die sind es, die in allererster Linie den Schlägen seitens ihrer andersgläubigen Fachgenossen ausgesetzt sind. Einen Beweis hiefür können wir in dem Umstände finden, dass die Zahl der Handwerker und Kaufleute von Tag zu Tag sich vermindert, und dass die Juden in die grossen Städte zu gehen gezwungen sind, um ihr bitteres Brod zu finden. In unserer Gegeud, wo factisch keine Behörde existiert, kann der Jude frei nicht gehen, ohne malträtiert zu werden und ohne Epitheta, die wohl auch Ihnen bekannt sind. ..... . . Der Jude darf überhaupt seine Stimme nicht erheben, denn die Umgebung, die die Gleichstellung der Juden nicht duldet, zwingt ihn sofort zum Schweigen. Wenn ein Jude einen Process hat, so kommt er erst nach sehr langer Zeit auf die Tagesordnung, und das Motiv hiefür ist, dass das Gericht mit anderen Processen beschäftigt sei. „Unsere Kinder können wir, mit kleinen Ausnahmen, nicht in die bulgarischen Schule schicken, da sie Beschimpfungen seitens ihrer Schulcollegen, die unbestraft bleiben, ausgesetzt sind." So erklären alle hier hervorgehobene Momente genügend, warum auch der bulgarische Jude nach einer neuen Erlösung in unserer trauten historischen Heimat lechzt, warum jedes jüdische Ohr in Bulgarien, wo die Idee des Congresses so grossen Anklang gefunden hat, Allem, was in dieser Versammlung gesprochen wird, lauscht, warum auch das bulgarische Judenthum mit so grosser Spannung die Resultate der Congressarbeiten abwartete Mögen sie wirklich vom Erfolge gekrönt sein und zur Erreichung unseres erhabenen Zieles führen! (Lebhafter Beifall.) Präsident: Das Wort hat Herr Dr. R o n a y zum Berichte über die Lage der Juden in Ungarn: Dr. JällOS Rönay (Balazsfalva): Hochgeehrte Versammlung! Das über mein Vaterland vernommene Urtheil versetzte mit einen Stich ins Herz. Aber leider muss ich gestehen, dass davon doch Manches zutrifft. Ohne vorbereitet zu sein, will ich kurz sagen, was noch erforderlich ist. In Ungarn, das ein selbständiger, kräftiger Staat ist, stehen Freiheit und Gerechtigkeit wie ein Fels im Meer. Wer aber historisch denkt, der muss sich sagen: Ist denn die Möglichkeit ausgeschlossen, dass früher oder später die Fluthen der Reaction und der Verwilderung so hoch springen, dass sie den Felsen üb erfluthen und grosse Stücke abbröckeln? Ungarn hat nicht nur eine freie Verfassung, sondern auch eine aufrichtige,