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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 77

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 77 (sequence 79)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 77 Sofianer Cultusgemeinde im vorigen Jahre geratheii ist. Bis vor einem Jahre konnte man in Sofia in einer an der Verkehrshauptader liegenden Strasse eine im maurischen Stile gebaute Synagoge neben einer Kirche sehen. Nun fasste das Synagogal-Comite den Beschluss, um den vergrößerten Bedürfnissen nachzukommen, einen Erweiterungsbau auf einem der Synagoge gehörigen Platze aufzuführen» Man begann den Bau. Mittlerweile erfuhr man, dass der Kirchenvorstand durch den Bischof bei der Regierung Schritte gemacht habe, um gegen den von der Cultusgemein de ins Werk gesetzten Bau Protest einzulegen. Es ist eben dem Kirchenvorstande überhaupt nicht recht, dass in der Nachbarschaft eine Synagoge existiere, und zweitens, dass. der freie Platz nicht der Kirche, sondern der Synagoge gehöre. Mit Documenten in der Hand haben siöh die Mitglieder des Synagogal-Comites auf den ersten Euf zum Minister begeben. Die Regierung hat eine specielle Commisson eingesetzt, die beauftragt wurde, die Frage zu entscheiden, wer nach den Documenten und den Plänen, Eigenthümer des streitig gewordenen Platzes sei? Auch diese Commission musste das gute Recht der jüdischen Gemeinde anerkennen. Und was geschah? Die Zeitungen haben über die Juden loszuziehen begonnen» Diese gehässige Stimme der Öffentlichen Meinung) die natürlich auch künstlich angefacht wurde, hat der Regierung die Möglichkeit verschafft, dem Synagogal- Comite „freundschaftliche" Vorstellungen zu machen, dass es im Interesse der Juden selbst liege, Verzicht auf den streitigen Platz zu leisten und den Bau der Synagoge irgendwo anders herbeizuführen. Bauen ja doch ihre westeuropäischen Brüder die Synagogen, meinte der Minister, nicht in den Hauptstrassen, sondern in verschiedenen, abgelegenen, vom Hauptverkehr entfernten Gässchen. So musste die Cultusgemeinde nicht nur der Kirche einen freien Platz schenken, sondern den Bau der Synagoge einstellen. Und es ist tief schmerzlich, jetzt statt des Neubaues Läden für alte Waren zu sehen, die den Synagogalhof in einen Tiödlermarkt verwandelt haben. Es ist aber nicht nur der Besitz materieller Güter, der nicht sicher ist. Nicht selten sind auch höhere Güter anderer Natur dem guten Willen der Bulgaren preisgegeben. Und insbesondere in der letzten Zeit sind verschiedene richterliche Urtheile geeignet, das Sicherheitsgefühl der Juden zu schwächen. Man bewirft sie und ihre Wohnungen mit Steinen.—Frauen und Mädchen dürfen schon beim Anbruche der Dämmerung sich nicht weit von ihren Wohnungen entfernen. Wenn der Bulgare seinen Kameraden zur „Haide na kojna" einladet, so heisst das, dass sie auf die Jagd gehen, um ein jüdisches Mädchen zu notzüchtigen. Es ist charakteristisch, dass einer von diesen Bulgaren, zur Verantwortung gezogen, behauptete, so etwas wie ein jus primae noctis zu besitzen. Es existiert überhaupt eine Kluft zwischen den Juden und Bulgaren. Von Uebermuth und Misstrauen erfüllt, meiden die letzteren den Verkehr mit den ersteren und suchen Geselligkeit in der

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