Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 78)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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Posten zufallen, und dass sie keine Aussicht haben, zu avancieren. Die grösste Zahl der jüdischen Beamten ist im Kriegsministerium. Unter den 15 angegebenen Beamten sind unseres Wissens nicht mehr als 3 im Offleiersrange, die übrigen Subalterne. Dann folgt der Keine nach das Ministerium des Innern, wo wir einige Aerzte haben, die man allmählig durch verschiedene Chicanen aus dem Dienste verdrängt und durch Bulgaren ersetzt. Diesem Ministerium gehören auch einige unserer Stammesgenossen als Wachleute an. Dieselbe Zahl von jüdischen Beamten hat das Communications- Ministerium, wo sie jetzt als Ingenieure und Architekten für die grossen bulgarischen ^Bauten engagiert sind. In den anderen Ministerien sind sehr wenige jüdische Beamte. Zwei Ministerien, und zwar das der Finanzen und des Handels, sind judenrein oder besser, judenrein geworden. Und auch andere Ministerien wetteifern ihrem Beispiele Folge zu leisten. Ein Licht auf die socialen Verhältnisse zwischen Juden und Bulgaren vermag ein erst unlängst stattgehabter Vorfall zu werfen. Da eine Kirche die auf ihr lastenden Schulden nicht tilgen konnte oder wollte, so haben ihre Creditoren, die gottlob keine Juden waren, die Execution auf ihr nicht zum Gottesdienst bestimmtes Vermögen geführt Dieser Kirche gehört auch ein Platz, der gar keinen Zusammenhang mit dem Kirchenhof hat und in einer anderen Strasse sich befindet. Da ein Jude bei der Licitation mehr als die anderen geboten hat, so musste er von Rechtswegen als Eigenthümer anerkannt werden. Als man nun erfuhr, dass ein Jude diesen Platz erworben hat, schrieben die Orgaue von Zankow und Karawelow sehr heftige Artikel, der Kirchen vorstand legte bei der Regierung Protest ein, die Eingepfarrten veranstalteten ein Meeting im Kirchenhof, wobei sie erklärten, dass sie auf keinen Fall zugeben könnten, dass ein Jude in Besitz des Kirchengutes gelange. Manche drohten dem Käufer, wenn er nicht Verzieht leisten werde. Da der neue Eigenthümer sehr gut den bulgarischen Charakter kennt, der rasch von Worten zu Thaten schreitet, wenn ein Interesse im Spiele ist, so konnte er factisch von seinem guten Rechte keinen Gebrauch machen. Er suchte anfangs die Gemüther durch eine grosse Spende für die Kirche zu beschwichtigen, veranlasste manche Blätter für ihn ein paar günstige Zeilen zu schreiben und sein Recht als Staatsbürger, sieh an einer Licitation wie jeder andere vollblütige Bulgare zu betheiligen, in Schütz zu nehmen. Um sich ein wenig sicherer zu fühlen, verliess er Sofia, und wartete an einem anderen Orte den endgiltigen Bescbluss des Kirchenvorstandes ab. Als dieser und die Pfarrkinder auf ihrem Beschlüsse beharrten, so sah sich unser Staatsbürger in die Notwendigkeit versetzt, auf sein gutes Recht zu verzichten und den Kauf rückgängig zu machen. So illustriert sich die Gleichberechtigung auch in Bulgarien. Noch interessanter ist vielleicht die Verlegenheit, in welche die