Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 77)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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Toleranz pocht, den Juden doch wenigstens so viel zugestanden wird, dass sie am Sabbath nicht schreiben müssen, wie man das seinerzeit auch in Russland gestattet hat. Auch für den religiösen Unterricht der jüdischen Bevölkerung durch specielle jüdische Lehrer will die bulgarische Regierung keine Sorge tragen. Sie findet darin keinen Widerspruch mit dem von der Constitution anerkannten Princip der Gleichberechtigung, dass sie die orthodoxen Gymnasialschüler in ihrer Religion unterrichten lässt, die Juden aber nicht. Auch nicht einmal im Programm für Geschichte will die Regierung die Möglichkeit bieten, wenigstens die hauptsächlichsten Momente unserer Vergangenheit den Schülern bekannt zn machen. Erst unlängst hat sie ein Programm für die Schulen veröffentlicht, wo wir folgenden Passus finden: Orientalisehe Völker. Ein historischer und cultureller Ueberblick der Egypter, Assyrier, Babylonier, Perser, Phönizier, Carthaginienser und der Inder. Also die Juden schweigt das historische Programm todt. Ihre Geschichte bietet kein Interesse, oder vielleicht sind da andere •Momente im Spiele. Und was das historische Programm versäumt hat, das suchen die Lehrer bei anderen Gelegenheiten einzuholen. So hat voriges Jahr ein Gymnasiallehrer, der Geographie vorträgt, in der Gegenwart von jüdischen Schülern, beim Vortrag über Griechenland folgende Bemerkung fallen lassen: „Es ist zwar schwer zu sägen, ob die Juden grössere Schurken als die Griechen sind, aber was Lug und Trug anbelangt, so scheinen sie doch den ersten Rang beanspruchen zu dürfen." Solche Auslassungen der Lehrer und eine entsprechende Vorbereitung zu Hause, bringen es mit sich, dass die jüdischen Schüler verschiedenen Verhöhnungen und Beschimpfungen als „Tschifouti" seitens ihrer bulgarischen Schulgenossen ausgesetzt sind. Die sociale Lage der Juden. Man ist gewöhnt, bei der Feststellung der socialen Lage der Juden ein einem Lande, ein besonderes Interesse darauf zu legen, wieviel von ihnen im Staatsdienste sich befinden. Die Beamtenzählung, die voriges Jahr in Bulgarien stattgehabt hat, setzt auch uns in den Stand, mit der Anlegung dieses Masstabes zu beginnen. Von 20.509 Beamten sind mosaischer Confession 47 und unter ihnen Juden 33, d. h. solche die den Muth hatten zu sagen, dass sie der Nationalität nach Juden sind. Die übrigen haben sich anderen Nationalitäten angeschlossen. Wenn man berücksichtigt, dass die Bevölkerung Bulgariens 3,300.000 ausmacht, dass die Juden den 132 ten Theil der Bevölkerung bilden, sollten sie eigentlich im Beamtenstande mit 154 vertreten sein. Es ist leider im Berichte des statistischen Bureaus nicht angegeben, wie sich die Beamten in ihrem Range nach Religion resp. Nationalität vertheilen. Wir werden aber hoffentlich nicht fehlgehen, wenn wir hier berichten, dass den Juden die niedrigsten