Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 73)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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grosse Ueberlegenheit, kalten Muth und rasche Entschiedenheit besitzt. Darum kommt es nicht selten vor, dass der Absatz von verschiedenen Gegenständen die früher, zur türkischen Zeit, ausnahmslos von Juden verkauft wurden, jetzt in den Händen des Macedoniers ruht. So wohnen wir dem Process bei, dass der Grosshandel mehr und mehr in diesen Händen concentriert wird. Um der Wahrheit treu zu bleiben, wollen wir noch hinzufügen, dass es auch Juden gibt, die seit der Wiedererrichtung des bulgarisshen Staates sich Capitalien verschafft haben, aber ihre Zahl ist eine so kleine, dass die Bulgaren selbst fast nie die Behauptung aufstellen, dass die Spagnolen Capitalisten seien. Die andere sociale jüdische Classe wird von verschiedenen Handwerkern repräsentiert. (Schuhmacher, Schneider, Klempner, Glaser, Anstreicher, Schreiner, Drechsler, Hutmacher, Goldarbeiter, Tapezierer, Schirmmacher, Uhrmacher etc. etc.) Eine stattliche Zfahl unserer Stammesgenossen sind Lastenträger und sehr viele befassen sich mit sogenannten „Loketoja", d. h. sie haben keine bestimmte Beschäftigung, sie leben, wie es im Volksmund heisst, von der Luft, davon, was ihnen in die Hände fällt. Heute profitiert ein Loketojer beim Verkauf von Hühnern, morgen mietet er für jemanden einen Wagen zum Transport verschiedener Producte und übermorgen sitzt er den ganzen Tag auf der Strasse, erwartend, was ihm anderes der liebe Herrgott zuführen wird. Gestützt darauf, was wir mit unseren eigenen Augen mehrfach gesehen haben, und auf die freundschaftlichen Zuschriften, die wir uns von der Provinz zukommen Hessen, dürfen wir behaupten, dass schon jetzt in Bulgarien ein jüdisches Massenelend existiert. Wer sich davon überzeugen will, möge nach der Hauptstadt Bulgariens gehen, wo die Juden specielle Viertel, — Outsch- und Dor-Bunar — bewohnen. In Stadttheilen, die sehr niedrig liegen, die voll von Sümpfen, diesen Herden der Sofianer Epidemien, und von verschiedenen anderen stinkenden Wässern umringt sind, leben acht Zehntel unserer Glaubensgenossen in Sofia in einer so vJJ - m unsäglichen Armuth und Misere, dass es einem förmlich schauert, weDn man die von ihnen bewohnten Häuser besucht. Aus Backstein oder Lehm oder gestampfter Erde gebaut, sind die Häuser so niedrig, dass man oft gebückten Rückens ins Zimmer hineinschleichen muss. Wir haben selbst gesehen, dass einige wie die Eskimos gekrochen sind. Alles starrt von Schmutz : die Alten, die Kinder, die Wohnung. Ueberau ein fürchterlicher Gestank. Wenn nicht draussen ein offenes Loch ist, das den Abort darstellt, so bildet er meistentheils eine Abtheilung der Küche selbst und kommt in Contact mit der Wand, wo man das Brod backt. Die lehmigen Fussböden, mit nichts bedeckt, sind sumpfig und nicht selten sogar mit Wasser überfüllt. Die Atmosphäre ist eine abscheuliche, eine erstickende. Wir haben fast in 100 Wohnungen Messungen vollzogen und es hat sich erwiesen, dass das Durchschnittszimmer