Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 70 (sequence 72)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3476254-3476255-3476257--0420-3525626
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

genommen. Im Jahre 1871 hatte Nordbulgarien 2,007.919 Seelen, Südbulgarien (1885) 975.030; im Jahre 1888 hatte das vereinigte Bulgarien schon 3,154.375, im Jahre 1893 3,310,713 und jetzt 3 7* Millionen Einwohner. Bevor wir diese allgemeinen Bemerkungen schliessen, wollen wir noch hinzufügen*, dass Bulgarien kein agrarisches Proletariat und überhaupt keine Armuth im westeuropäischen Sinne kennt. Es mangelt an menschlichen Kräften, aber nicht an Beschäftigung und Arbeiten, die die Existenzmittel in Hülle und Fülle verschaffen kötinen. Es ist ein reich gesegnetes Land und es harrt der menschlichen Hände, um ihnen seine Schätze zur Verfügung zu stelleD. Nun können wir zur Frage, die die Vorausschickuug dieser allgemeinen Bemerkungen nothwendig macht, übergehen, inwieferne nämlich auch die Juden an diesem Wachsthum des Nationalreichthums theilnehmen, und womit sie sich überhaupt beschäftigen? Es wird vielleicht nicht überflüssig sein, hier explicite hervorzuheben, da*ss man unter den einheimischen spagnolischen Juden keinen einzigen Ackerbauer finden kann. Es sind uns wohl die Ursachen, auf welche zurückzuführen ist, dass unsere Stammesgenossen in den verschiedenen Ländern sich nicht dem Ackerbau widmen konnten, bekannt. Aber die Umwälzung in den Bodenbesitzverhältnissen in Bulgarien, dank der Auswanderung der Türken, der spottbillige Preis des Bodens, die unentgeltliche Cessierung verschiedener Ländereien seitens des Staates sogar an Ausländer (z. B. in der letzen Zeit an die Slawonler) haben uns doch die Frage aufgedrängt, warum nicht auch unter den einheimischen Tuden sich solehe finden, die in dem Bebauen des Bodens eine Quelle für die Gewinnung ihres Lebensunterhaltes suchen. Von Juden, die in den Dörfern als Kaufleute leben, haben wir auf Grund der Aussage von Personen, die die Verhältnisse kennen, feststellen können, dass die bulgarische Bevölkerung alle Mittel in Anwendung bringt, um die Juden an dem Kaufe von Land zu hindern. Meine Gewährsleute theiltn mir mit, dass sie Frauen und Kinder nicht in die Dörfer mitzunehmen wagen, .ja dass sie sich zeitweise selbst von dem Dorfe fernhalten müssen, und dass sie überhaupt der Aufenthalt auf dem Lande verschiedenen Gehässigkeiten und Verfolgungen seitens der bulgarischen Bevölkerung aussetzt. Und so sehen wir in Bulgarien unsere Stammesgenossen als Krämer, Handwerker und Lastenträger. Im Handel hat der Spagnole einen grossen Concurrenten, insbesondere in der Person des macedonischen Bulgaren. Der letztere, oft mit einigen Francs seinen Handel beginnend und seine Waren auf den Strassen anbietend, weiss sich binnen Kurzem so emporzuschwingen, dass er nach einigen Jahren Umsätze zu mehreren Tausenden macht. Der Macedonier verdrängt den Spagnolen, da er eine riesige Energie, eine grosse Schlauheit und weitsehenden Blick,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.