Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 69)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 67 - entfallen, unsere Stammesgenossen keinen einzigen Abgeordneten in der Kammer haben. Allerdings geschah vor drei Jahren etwas Ausserordentliches. Im Wahlkreise Dobritsch, der eine sehr schwache jüdische Bevölkerung hat, wurde ein Jude als Deputierter gewählt. Als nämlich im Jahre 1894 die Deputierten wählen ausgesehrieben wurden, hatte man in der kleinen östlichen Stadt B-Dobritsch neben der Candidatur des Ministerpräsidenten Stoiloff auch diejenige unseres Stammesgenossen Peter Gabe aufgestellt- Er bekam die Majorität der Wähler und wurde von dem Wahlbureau gesetzmässig als Abgeordneter proclamiert. Aber seine Wahl wurde von den Kammercollegen cassiert. Und wer ist dieser Mann, der, mit dem Ministerpräsidenten rivalisierend, ihn mit 208 Stimmen besiegte, dann aber zurückgestossen wurde? Peter Gabe ist ein russischer Jude, der in der Umgebung von Elisabethgrad während der Jahre 1875—1882 Land pachtete, um es mit eigenen Händen zu bebauen. „Im Jahre 1881", erzählt Gabe, „habe ich mit meinen Augen gesehen, wie Volksmassen die Hauser friedlicher Einwohner dem Erdboden gleichgemacht und die Juden malträtiert haben. Nun kam das Gesetz von 1882,, das den Juden die Möglichkeit Land zu * pachten genommen hat. Dieser Umstand veranlasste mich, Eussland zu verlassen." (Protokoll der Sitzung der VIII. Volkov, 1. S<, I. B., p. 487—503). Im Jahre 1884 liess sich Gabe in Bulgarien nieder und widmete sich wieder dem Ackerbau, aber nicht bloss diesem. Er entfaltet eine solide literarische und gemeinnützige Thätigkeit. Er treibt Studien auf nationalökonomischem und finanziellem Gebiete. Um den bulgarischen Staat erwarb er sich dadurch grosse Verdienste, dass, dank seiner literarischen und agitatorischen Thätigkeit, ein specielles Gesetz für zwei Arrondissements, das dem Wucher steuert, von der Kammer angenommen wur de. Der Wucher war ein Krebsschaden, der sich im Organismus des östlichen Bulgarien tief «ingewurzelt hat. Gabe hatte den Muth, diese complicierte Frage aufzurollen, und die Notwendigkeit einer radicalen Operation zu beweisen. Dadurch hat er die Sympathien der Bewucherten gewonnen, aber auch natürlich sich den Hass der Wucherer zugezogen. Die Thätigkeit auf dem ökonomischen Gebiete hat auch die Folge gehabt, dass, als nach dem Sturze Stambuloff s eine Steuercommission zur Regelung verschiedener finaneieller Fragen eingesetzt wurde, Gabe zum Mitglied derselben ernannt wurde, was viel zu seiner Popularität beitrug, Und dennoch die Cassierung seiner Wahl!1) In der Wahlprüfungscommission war vom nationalen Mangel - Gabes die Rede. Das theilt uns ein Mitglied der Commission mit2) und es stimmt mit den Motiven der eingereichten Contestation überein.3) *y Protokoll der Nationalversammlung* VIII. Legislatur, p. 493, 2) Ibidem. 3) „Wenn wir auch schliesslich schon zugeben, was wir nicht als richtig halten, dass diese Wahl gesetzmässig sei, und dass der gewählte Repräsentant 5*