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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 65

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 65 (sequence 67)
Language
German, English, Hebrew
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65 - Millionen Gulden aufzunehmen. Bei dieser Gelegenheit hatte die Regierung in Erfahrung gebracht, dass die Bedingungen der Anleihe viel günstiger sein können, wenn die letzte mindestens 30 Millionen ausmache. Da die bulgarische Bevölkerung privaten Leuten, und zwar gegen sehr schwere Bedingungen, mindestens 100 Millionen Francs schuldet, so hat die Regierung der Kammer einen Gesetzentwurf über die Aufnahme einer Anleihe mit der Banque de Paris *»• et des Pays Bas, Banque internationale de Paris und Banque J. et R. Privileguee des Pays Autrichiens vorgelegt. Man könnte glauben, dass Abgeordnete in solchen Fällen ihre Aufgabe und Pflicht darin erblicken müssen, die Interessen des Yolkes zu wahren und deshalb nur solche Momente zu berücksichtigen haben, die der Frage entspringen. Das .wäre vielleich auch hier der Fall, wenn sich an dem Bank-Consortium nicht die Länderbank betheiligt hatte. Aus mehreren Ursachen, die hier nicht dem Weiteren auseinanderzusetzen sind, hasst der Bulgare Oesterreich mit allen Fasern seiner Seele, und nennt es „Judenland", oder, wie er sagt, „Tschifoutska Awstrija". Und da hörte man bei der Debatte dieser Frage in der Kammer folgendes: wWir wollen mit der Länderbank nichts zu thun haben. Sie soll für immer bei uns den Boden verlieren. "Wir wollen die Ehre .haben, Geld von solchen Banken zu nehmen, wo jüdische (!!) Kapitalien und jüdische Speculationen am allerwenigsten interessiert sind, und das ist der Credit Lyonnais." Wir wissen leider nicht, ob die Napoleons, die in den Cassen der Länderbank aufbewahrt sind, von denjenigen des Credit Lyonnais differieren, und wir sind noch jetzt in dem Irrthume befangen, dass jüdische Napoleons, wenn sie auch in der Länderbank sich finden, nicht minderwertiger als diejenigen des Credit Lyonnais sind. Wie dem auch sein mag, Thatsache ist es, dass die Herren Deputierten dem Abschluss einer Anleihe mit einem Consortium, an dem die Länderbank theilnimmt, aus dem Grunde sich widersetzt haben, weil mancher jüdische Actionär bei diesem Geschäft einige Francs verdienen könnte. Es muss aber auch hier besonders hervorgehoben werden, dass noch nie die Bedingungen einer bulgarischen Anleihe so günstig waren, als diejenigen der in Betracht kommenden. (Gegen eine kleine Verminderung des Emmissionscurses, und zwar um 2 Francs, hatte das Consortium eine Herabsetzung des Zinses auf einen ganzen Procent bewilligt.) Diese Vortheile musste auch der Präses der Kammer anerkennen. „Obwohl die Regierung", sagte er, „nicht mit dem Credit Lyonnais, sondern mit Leuten, die uns unangenehm sind, die Anleihe abgeschlossen hat, so muss man doch eingestehen, dass die Conditionen für uns günstige sind.44 (Protocoll der Nationalversammlung, IX. Legislatur, Band 4,0 11.) Jeder, der das politische Leben der Balkanstaaten verfolgt, weiss wohl, dass die jetzige Regierung nicht nur aus Unioriisten, sondern auch aus Conservativen besteht. Und es sind eben die letzteren, die die Pläne der ersteren, auf einem oder einem anderen Gebiete Massregeln gegen die Juden zu treffen, vereiteln. _

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