Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 66)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 64 — dass zwischen den Parteien ein prineipieller Unterschied bezüglich ihres Catechismus den Juden gegenüber existiere. Der Jude ist kein Bulgare, und das genügt schon für das kleinste politische Individuum, um sein Betragen gegenüber den Juden in allen Momenten zu bestimmen. Wenn man in dieser Hinsicht doch von einem Unterschiede zwischen den Parteien sprechen will, so wird er wohl nicht darin bestehen, was für Credo sie den Juden gegenüber haben, sondern i n der Art und Weise, wie sie es zum Ausdru ck e bringen* Von diesem Standpunkte ausgehend, lässt sich natürlich ein Unterschied zwischen den Karawelisten,, Tzankowisten und Unionisten einerseits, und den conservativen, stambulistischen und tfadoslawistisehen Parteien andererseits aufstellen. Die Anhänger Karaweloffs glauben als echte Demokraten gelten zu dürfen, wenn sie keine Gelegenheit verpassen, in ihren Parteiblatte „Znamej" über die Juden loszuziehen. Dieses Betragen hat das Gute, dass die Juden klar sehen und wissen, worauf die Karawelisten als Kegierungspartei lossteuern dürften. Hat ja schon Karaweloff als Minister zur Zeit als es auf den Kriegsgefilden noch nach jüdischem Blute gerochen hat, den praktischen Antisemitismus inauguriert. Er war es, der die Wochenmärkte auf den Samstag verlegt hat, er war es, der noch im Jahre 1882 in der Kammer die Juden der Ausbeutung der bulgarischen Bevölkerung geziehen hat, er war es, der den kleinen jüdischen Händlern das Stück alte Brot entreissen wollte, er war es, der die Juden wegen der Importation silberner, zu jener Zeit eours- und circulationsfähiger Rubel, aus Rumänien offen als moralisch verkommene Individuen gebrandmarkt hat. Mcht so glücklich sind die Juden mit den anderen Parteien. Zwar ist schwer zu sagen, ob die Karawelisten grössere Antisemiten als die Zankowisten sind. Nur eines steht fest: Das jetzige Organ der letzteren „Swetlina", wie das frühere „Seplasoije", sind nicht so "heftig in ihren Angriffen. Sie möchten nicht weniger als die Karawelisten dem Juden alles entreissen, wollen das aber mit schönen Worten erreichen. Die Unionisten, die ihren Namen der angestrebten Vereinigung Bulgariens mit Ost-Rumelien verdanken, waren zwar als Opposition in ihrem Organ „Pregöso" sehr radical, freisinnig und für hohe Ideale schwärmend. Eine frappante Charakterlosigkeit stellt sich aber heraus, wenn man einen Vergleich zieht zwischen dem, was der „Pregoso" früher gepredigt hat, und was er jetzt, nachdem seine Patrone ans Ruder gekommen sind, vertritt. Es verdient hervorgehoben zu werden, dass die Anhänger der uniojiistischen Partei fast jede Gelegenheit ausnützen, um ihre Gefühle unseren Stammesgeno^sen gegenüber in Thaten umzusetzen. Einen Tie weis hifefür haben wir auch aus der allerjüngsten Vergangenheit. m Zum Besten der bulgarischen landwirtschaftlichen Creditcassen wurde die Regierung beauftragt, eine Anleihe von zehn