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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 63

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 63 (sequence 65)
Language
German, English, Hebrew
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- 63 ~ Nun gehört einem kleinen Staate die grosse Ehre, zu zeigen, dass man in einem ganz modernen, mit liberalen Institutionen versehenen Yerfassungsstaat mit den Juden so umgehen kann, dass sogar dem unverbesserlichen Optimisten wenigstens ein bedeutender Theil seines Fundamentes einstürzen muss. Nachdem aber andere. . schon ganz alte Staaten, Bumänien das primordiale Recht auf systematische Verfolgung der Juden im 19. Jahrhundert streitig zu machen suchten, so soll es nicht Wunder nehmen, dass auch in Bulgarien diese Strömung grossen Anklang gefunden hat, und — gehen wir noch ein Bisschen weiter — finden musste- In allererster Linie verdient hervorgehoben zu werden, dass eine grosse Zahl bulgarischer Staatslenker vor der Wiederaufrichtung ihres Staates in Rumänien eine Zufluchtsstätte gefunden hatten, wo sich ihnen reichliche Gelegenheit bot, die Judenhassseuche in einem üb er genügenden Quantum herunterzuschlucken. Nun war den Bulgaren West-Europa noch ziemlich unbekannt, und von seinen kulturellen Strömungen machten sie sich einen Begriff nach dem in Rumänien Gesehenen, das sich — ob mit Recht oder Unrecht, mag dahin gestellt bleiben — „Soeur cadette de la France" nennen lässt. Wollen wir aber den Rumänen kein Unrecht thun. Wer, wie wir, die Gelegenheit gehabt hat, die bulgarischen Verhältnisse als Augenzeuge zu kennen, der wird wohl eingestehen müssen, dass die Bulgaren gar nicht erst der rumänischen Schule bedurften, um als durchgreifendes Princip ihres Lebens in allen seinen Momenten ^Bulgarien für die Bulgaren44 nicht nur aufstellen, sondern mit Nachdruck durchführen zu können. Man stellt sich die Bulgaren als intellectuell zurückgebliebenes, als unfähiges Volk vor, das aber einen moralisch guten Kern hat. Dem ist aber nicht so. Egoistisch, rachsüchtig, geld- und habgierig, geizig und schlau, ist der Bulgare strebsam, fähig zur intellectuellen Arbeit, mannhaft, zielbewusst, ernergisch, fleissig und darauf bedacht, aus jeder Situation Capital zu schlagen. Dank allen diesen Eigenschaften kann der Bulgare nicht kalten Blutes zusehen, wie ein Fremder — und als Fremdester der Fremden gilt auch der einheimische Jude immer -— Existenzmittel in seinem Lande gefunden hat. Was der Jude auch leisten mag und so rechtschaffen er auch sein möge, der Bulgare bleibt immer der Ansicht, dass der Jude sein Brod esse („jade bulgarsky Gab"). Es ist hier nicht der Platz, das des Näheren auseinanderzusetzen. Wollen wir aber den Schlüssel zur Lösung der Frage üMen, wie sich überhaupt die politische Lage der Juden in Bulgarien gestalten kann und was sie dort erwartet, ist wenigsten» ein kurzer Ueberbliek über die Stellungnahme der verschieden politischen Parteien den Juden gegenüber unentbehrlich. Freilich hat auch Bulgarien seine liberalen und conservativen Parteien, die auch verschiedene Fractionen und Schattierungen aufweisen können. Man begeht aber einen Fehler, wenn man glaubt,

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