Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 61)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 59 kann Weib und Kind auf den Buckel nehmen und betteln gehen. Ein grosser Theil der Juden lebt vom Schankgewerbe; da werden Concessionen eingezogen und der Jude ist-brotlos* Ich sage aufrichtig, es ist oft nicht Antisemitismus, was die leitenden Kreise zu ähnlichen Massregeln veranlasst, es ist oft die Eücksicht auf den Wohlstand des Landvolkes, welches vielfach dem Trünke ergeben ist Aber für uns bedeuten diese Massregeln, dass wir so und so viele Bettler mehr haben. Geradezu beschämend wirkt der Anblick dieser endlosen Schaaren von Berufsbettlern. Sie ziehen von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Hier werden sie mit Hunden fortgehetzt, dort mit Gendarmen über die Grenze gesetzt, hier wirft man ihnen einen Pfennig in die Hand. Was soll aus diesen Leuten werden? Wenn man in die unteren Stadttheile von Czernowitz sich begibt, erschrickt man gewaltig über die Unsumme des Elends, das hier aufgehäuft ist. Ganze Familien, bestehend aus 10 und mehr Köpfen, hocken in einem Kellerloch. Es gibt Familien, die buchstäblich den langsamen Hungertod sterben. Glücklich, wer sich einen Verdienst von 12 bis 15 fl. monatlich verschafft hat. Ich habe es nicht nöthig, hier Schilderungen des Elends zu entwerfen. Es genügt, wenn ich sage, dass die Juden in der Bukowina in ihrer überwiegenden Mehrheit bettelarm sind. Der jüdische Handwerkerstand leidet durch das Vorurtheil der Arier und der Juden. Es ist der irrige Glaube verbreitet, dass der Christ der bessere Arbeiter sei. Der jüdische Schuster, Tischler, Schneider, ist sehr oft einem stillen Boycott seitens seiner Stammesgenossen preisgegeben. ~ Wir sehen eine neue Gefahr auftauchen. Das Bildimgsbedürfnis der Juden hierzulande ist sehr gross. Obwohl sie nur 10 Procent der Gesammtbevölkerung ausmachen, frequentieren sie die Schulen, insbesondere die Mittel- und Hochschulen mit 40 Piocent. Die Gymnasien sind zur Hälfte jüdisch, ebenso die Kealschuleu und nicht minder die Universität, wo das Gros der Juristen aus Juden besteht. Jahr für Jahr absolvieren so und sovieleihre Studien und stürzen sich heisshungrig in die Aemter. Da wird ihnen ein energisches Halt zugerufen. Die Finanzdireetion verschliesst ihre Thore, die Kegierung nimmt principiell keinen Juden auf, die anderen Aemter halten es ebenso. Selbst in der Justiz wird das gleiche Princip eingehalten. Mögen die jüdischen Praktikanten noch so tüchtig sein, ihr Fleiss rührt niemand, ihre Kenntnisse sind unangenehm, weil sie zum Vergleiche herausfordern. Mit der Einführung der neuen Civilprocessordnung in Oesterreich ist ein fühlbarer Mangel an Justizbeamten eingetreten. Material, aus dem man tüchtige und gerechte Eichter machen könnte, ist in Hülle und Fülle vorhanden, aber es hat einen Fehler, es ist — jüdisch. Jeder Arier praeteriert schon nach sechswöchentlicher Praxis Collegen,