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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 58

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 58 (sequence 60)
Language
German, English, Hebrew
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- 58 - Die Juden in der Bukowina sind nun im Begriff einen zweiten Fehler zu machen. Sie werden vom Regen in die Traufe kommein Sie suchen Anschluss an die Rumänen* Der Jude wird im Lande furchtbar gehasst. Es ist ein latenter Judenhass, man rückt bei uns ziemlich selten mit der Sprache heraus. Vor einigen Jahren hat man hier eine ziemlich lebhafte Bewegung verspürt, die von einigen „Poroks", d. h. Schaagspropheten^ gegen die Juden auf dem flachen Lande inszeniert war. Die Landeschronik erzählt von Excessen gegen die Juden, Plünderungen, Ueberfallen u. dgl. Der Jude wird in der Bukowina gehasst, erstens weil er Jude ist, zweitens weil er anscheinend — ich komme später darauf zurück — wohlhabender ist, drittens weil er unsinnigerweise Deutschliberale Politik gemacht hat, meistens aus jedem anderen Grunde. Der Jude ist der Tiefpunkt der Verachtung. Der Arier zischt das „Zyd" so zwischen den Zähnen durch, als wollte er dabei ausspucken. Im Uebrigen thut er es nicht einmal dem Juden ins- Gesicht. Vergeblich bemühen sich die jüdischen Grossen und diejenigen Juden, die sich „Gesellschaft" nennen, den Ariern anzuschmiegen. Sie bekommen deutliche Refus. Die socialen Ghettomauern bestehen fort. In diesem Kampfe um Anerkennung der gesellschaftlichen Gleichberechtigung haben wir uns entwürdigt. Der Jude bat viel-* fach das gerade Rückgrat des Mannes, der sich vor dem Höchsten nicht beugt, verloren. Er ist kriecherisch und speichelleckerisch. Einen Christen bei Tische zu haben, gilt als hohe Ehre, bei einem Christen zu Tische gelassen zu werden, gilt als irdische Glückseligkeit. Das wirtschaftliche Leben der Juden in der Bukowina ist ein sehr trauriges. Man kann sagen, die Lebenshaltung der Juden in der Bukowina wird von Tag zu Tag schlechter. Freilich gibt es auch hier Leute, die sehr reich sind. Der Reichthum macht sich sogar breit, er baut d*e Städte aus, „die Häuser in der Stadt gehören den Juden", sagt der Arier. Es ist wahr; vermögen aber 1000 Reiche die Thatsache aus der Welt zu schaffen, dass 50.000 ein jämmerliches Dasein fristen? Die jüdische Bevölkerung im Lande lebt theils vom Handel^ theils vom Schankgewerbe, theils vom Handwerk und nur ganz sporadisch vom Ackerbau. Handel und Handwerk aber haben keinen goldenen Boden mehr. Man erlebt es, dass sogar alte ehrliche Kaufleute am Ende ihrer Tage in Concurs gehen, um dann als arme Leute wohlthätigen Vereinen zur Last zu fallen. Man verengt den Juden auf allen Seiten die Existenzmöglichkeit. Die Bauern auf dem Lande thun sich zusammen, der Pfarrer belehrt sie, wie sie es zu machen haben, sie richten sich eine Krämerei ein und der jüdische Krämer

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