Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 57 (sequence 59)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476255-3476257--0407-3525613
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Volksstamm ♦ Als solche sind sie in der glücklichen oder unglücklichen Lage, politisch eine Rolle spielen zu müssen. Man hat einmal die Bukowina das Eldorado der Juden genannt. Aber die Zeiten, wo die Bezeichnung ihre theilweise Richtigkeit hatte, sind vorbei. Gerade die leidige Politik hat grossentheils diesen Umschwung hervorgerufen. Die Juden bilden in der Hauptstadt des Landes und in den anderen grösseren und kleineren Städten eine compacte Masse, die durch Kopfzahl und Intelligenz, insbesondere bei dem alten und überlebten Curiensystem Oesterreichs bei Wahlen in die unterschiedlichen Vertretungskörper, oft sogar ausschlaggebend ist. Die Juden in den Städten stellen das Haupt- Kontingent für die gebildeten Stände* Als Inhaber der grössten Kreditinstitute wirken sie * bestimmend auf die politische Ueber* zeugung der eigenen Leute. Die Juden in der Bukowina haben etwas Merkwürdiges zustande gebracht. Sie haben das rumänische und ruthenische Land germanisiert. Die Sprache ist in allen Aemtern deutsch, der Landtag verhandelt deutsch, der Landesschulrath ist deutsch, auf Höch- und Mittelschulen ist deutsch die Unterrichtssprache, in den Gemein de Vertretungen wird zumeist deutsch gesprochen, die deutschen Zeitungen sind die gelesensten, die Strassentafeln und Ankündigungen sind; deutsch, selbst in den Volksschulen auf dem Lande wird deutsch gelehrt Auf den ersten Anschein hält man die Bukowina für eine deutsche Provinz. # Man ist sich darüber klar, dass die Juden in den Städten die deutschen Pioimiere im Lande waren und sind. Die Juden haben — ich sage ausdrücklich haben —sich als Deutsche gefühlt, haben treu zu den Deutschen gehalten und waren das ausgezeichnetste Stimmvieh für die deutschliberale Partei. In den Städten des Landes wurden deutsche Vertreter gewählt. Selbst zu einer Zeit, als die Grundfesten der deutschliberalen Partei in Oesterreich bedenklich erschüttert waren, harrten die Juden in meiner Heimat aus und delegirten einen Deutschliberalen ins Parlament. Die Juden in der Bukowina machten Erfahrungen, die demjenigen, der die jüdische Geschichte kennt, nicht neu sind* Als die liberale Partei zusammenbrach, kam es wie eine Erkenntnis auf die Deutschen der Bukowina. Es fanden sich Apostel für den Kassenstandpunkt Schönerers, Im Nu war er entstanden, der n^ue Verein „Christlicher Deutschen in der Bukowina/4 Das war der Fusstritt, das war der Lohn für die Jahrzehnte lange Deutschdümmelei der Juden. Da habt ihr's, sagten die Rumänen, hohnlachten die Ruthenen. Ein Fusstritt! sagten sich tief beschämt die Juden. Das war der Dank dafür, weil wir den deutschen Gedanken hochhielten, weil wir Pionniere des Deutschthums in Gegenden waren, wohin die berühmte deutsche Zeuge nicht gedrungen ist, in Gegenden, die von den Knochen eines pommer'schen Musketiers noch nicht gedüngt waren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.