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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 56

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 56 (sequence 58)
Language
German, English, Hebrew
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— 56 — _ Es ist misslich und bedenklich, eine düstere Prophezeiung auszusprechen und mein Herzenswunsch ist ja auf Seiten derer, die voll Vertrauen in die Zukunft blicken. So will ich denn nur bemerken, dass die Zahl der Schwarzseher wächst; diese aber sagen, dass auch durch das Paradies jenseits der Leitha die Schlange des Antisemitismus schleicht und sie wollen schon den Glanz des Flammenschwertes sehen und sie meinen, auch die Juden Ungarns würden von dem Baume der Erkenntnis essen — der Erkenntnis, welche Zion heisst. Das sind Befürchtungen, jedoch von solcher Art,, dass sie eine Hoffnung in sich schliessen, versöhnend mit der JSToth des Tages, beseeligend in ihrer hehren Grösse — die Hoffnung, welche Zion heisst. Und so schwebt über dem Gesammtbild unserer Lage, wie ich es mit wenigen hastigen Zügen hinwarf, eine trübe, dämmerdunkle Stimmung: Die vielbesungene Sonne der Verbrüderung ist auch in Oesterreich erloschen. Aber dort von Osten her flammt es auf und es ist ein Glanz, der uns den Weg weist durch Nacht und Wüste zu einer Stätte, die wir lieben, lieben mit der ganzen Glut unserer gequälten Herzen —- zur Stätte, welche Zion heisst! (Lebhafter Beifall.) Präsident: Ich ertheile Herrn Dr. Mayer Ebner das Wort zu seinem Vortrage über die Lage der Juden in der Bukowina: Dr. Mayer Ebner (Czernowitz): Man nennt die Bukowina gewöhnlich nur in einem Athemzuge mit Galizien. Lange Zeit mit diesem Lande politisch zusammengesehweisst, war die Bukowina in Wahrheit nicht mehr als eine Pertinenz zu Galizien und wurde von Reich und Regierung auch nur als solche behandelt. Galizien und die Bukowina sind für die gebildeten Westeuropäer — Halbasien. Dort sage die Cultur gute Nacht, dort wehe bereits asiatische Steppenluft. Von der Bukowina sagt man, dass dort die Leute im Hemde auf den Strassen herumlaufen und mit brummigen Bären ihr Lebenlang sich herumbalgen. Soviel weiss man im Westen über die Bukowina. Das, was sie in cultureller und ethnographischer Hinsicht wirklich interessant macht, ist den Leuten im Westen gar nicht bekannt. Das kleine Ländchen, das 500.000 Menschen fasst, wird von einer Reihe von Volksstämmen bewohnt. Die Bukowina bietet ein Bild Oesterreichs im kleinen. Die Hauptstämme (|es Landes sind die Rumänen und Ruthenen. Aber wir finden in nicht unansehnlicher Zahl auch Polen, Deutsche, Armenier, Ungarn, Lippowaner und Juden. Die Zahl der Juden in der. Bukowina beläuft sich auf über 60.000, also mehr als 10 Procent der Gesammtbevölkerung des Landes. Die Bukowina beherbergt soviel Juden, als vielleicht nicht ganz Frankreich. Sie gehört, wie Galizien, zu den — so sagen unsere Feinde — mit Juden gesättigten Ländern der Erde. Sie sind in der Bukowina nach den Ruthenen der an Kopfzahl stärkste

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